🗃️ Neues vom Dachsbacher Kummerkasten
„Du … wenn wir gerade bei Anträgen sind: Ich kenne da noch eine Geschichte.“
Heute bekam ich Besuch.
Na ja.
Besuch ist vielleicht übertrieben.
Der Kleine steht ja sowieso neben mir.
Ihr wisst schon.
Der etwas in die Jahre gekommene Kasten.
Nicht besonders hübsch.
Ein bisschen verwittert.
Man weiß auf den ersten Blick nicht so genau, ob er Telefon, Strom oder einfach nur schlechte Laune beherbergt.
Inzwischen wissen wir:
Er macht Strom.
Pflegen tut er sich trotzdem nicht. 😂
Heute tippte er mir jedenfalls vorsichtig auf die Schulter.
Also sinngemäß.
Wir Kästen haben mit Schultern ja so unsere Grenzen.
Und sagte:
Ich schaute ihn an.
Er wirkte ungewöhnlich ernst.
Dann sagte er:
Ich musste lachen.
„Junge. Ich bin Glasfaser. Ich explodiere nicht so leicht.“
Und dann dachte ich kurz nach.
Der Kleine schaute ganz verlegen.
„Echt?“
„Na ja. Du bist hässlich. Aber du bist zuverlässig.“ 😂
Und vielleicht, dachte ich, werden wir ja doch noch Freunde.
Dann holte der Kleine tief Luft.
So tief ein Stromkasten eben Luft holen kann.
Und sagte:
„Es geht um einen Benefizlauf.“
Ich wurde hellhörig.
🏃 Der Benefizlauf
Vor einiger Zeit wollten meine Nachbarn einen Benefizlauf organisieren.
Eine richtige Veranstaltung.
Teilnehmer.
Planung.
Kosten.
Straßensperrung.
Alles, was eben dazugehört.
Nach Erinnerung meiner Nachbarn wurde dazu mehrfach Kontakt mit dem Bauamt aufgenommen.
Es wurde telefoniert.
Es wurde geschrieben.
Es gab Gespräche vor Ort.
Es wurden Pläne geändert.
Verschiedene Ansprechpartner waren beteiligt.
Also dachte man irgendwann:
Läuft. 😂
Der Benefizlauf sollte am 2. Mai stattfinden.
Im März wurde es langsam spannend.
Denn die Veranstaltung war längst in Planung.
Teilnehmer hatten sich angemeldet.
Kosten mussten kalkuliert werden.
Und die Frage wurde immer dringlicher:
„Wo bleibt eigentlich die Genehmigung für die Straßensperrung?“
Also wurde nachgefragt.
Nach Erinnerung meiner Nachbarn entstand dabei zunächst immer wieder der Eindruck:
Ist noch in Bearbeitung.
Kommt noch.
Okay.
Man wartet.
Man plant weiter.
Man hofft.
Und irgendwann kam dann sinngemäß die überraschende Information:
„Sie haben doch gar keinen Antrag gestellt.“
😳
Ich sah den kleinen Kasten an.
Der kleine Kasten sah mich an.
Frau Laterne tat so, als würde sie nichts hören.
Ich fragte:
„Moment. Es gab vorher Gespräche?“
„Ja.“
„Telefonate?“
„Ja.“
„Schriftverkehr?“
„Ja.“
„Vor-Ort-Gespräche?“
„Ja.“
„Planänderungen?“
„Ja.“
„Und irgendwann stellte sich heraus, dass trotzdem noch ein Antrag fehlte?“
„Ja.“
Ich schwieg.
Dann sagte ich:
„Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ 😂
📄 Und jetzt kommt mein persönliches Lieblingsdetail
Der benötigte Antrag hatte nach Erinnerung meiner Nachbarn einen Titel in Richtung:
„Antrag auf Absperrung einer Baustelle“
Für einen Benefizlauf. 😂
Ich weiß nicht, wie ihr das seht.
Aber wenn ich einen Benefizlauf plane, denke ich spontan an:
Läufer.
Streckenposten.
Wasserstationen.
Startnummern.
Vielleicht Kuchen.
Was ich nicht als Erstes denke:
„Ah ja. Baustellenabsperrung. Natürlich.“
😂😂😂
Und genau da liegt für mich der interessante Punkt.
Nicht, dass ein Antrag gebraucht wurde.
Das kann ja völlig richtig sein.
Sondern:
Nach Erinnerung meiner Nachbarn gab es vorher bereits mehrere Kontakte, Gespräche und Änderungen.
Und trotzdem wurde offenbar erst relativ spät klar:
Da fehlt noch ein formeller Antrag.
Der Kleine scharrte ein bisschen mit seinem Sockel.
Ich nickte langsam.
Denn genau da kam mir die Geschichte unangenehm bekannt vor.
Nicht dieselbe Geschichte.
Nicht derselbe Vorgang.
Und ich behaupte natürlich auch nicht, dass hier alles identisch gelaufen wäre.
Aber dieses:
besprechen,
planen,
warten –
und irgendwann stellt sich heraus:
„Da fehlt noch etwas.“
… das klingt zumindest erstaunlich vertraut.
Etwas, von dem man nach all den Gesprächen gehofft hatte, dass einem rechtzeitig gesagt wird, dass man es braucht.
Der Kleine sah mich vorsichtig an.
„Und? Explodierst du?“
Ich überlegte.
„Noch nicht.“
Er wirkte erleichtert.
Dann fragte er:
„Freunde?“
Ich schaute ihn an.
Verwittert.
Ein bisschen schief.
Nicht besonders fotogen.
Aber irgendwie sympathisch.
„Freunde.“ ❤️
Und dann standen wir da.
Zwei Kästen.
Ein großer neuer.
Ein kleiner alter.
Und beide mit derselben Frage:
Wie oft muss man eigentlich nachfragen, bis man weiß, was man wirklich beantragen muss?
😂
Der Kleine flüsterte noch:
Ich schaute sofort zu Frau Laterne.
Sie ging an.
Einfach so.
Wie immer.
Ohne Antrag.
Ohne Formular.
Ohne Baustellenabsperrung.
Ich glaube, ich mag sie immer noch am liebsten. 😂
Fortsetzung folgt …
Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

