📜 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Der Vertrag ist da!

Leute.

Er ist da.

Der Nutzungsvertrag.

🎉

Ich war kurz versucht, Frau Laterne anzublinken.

Der Kleine fragte:

„Und? Dürfen sie jetzt endlich reinfahren?“

Ich blätterte.

Seite 1.
Seite 2.
Seite 3.
Seite 4.
Seite 5.

13 Paragraphen.
Pflichten.
Kosten.
Unterhaltung.
Winterdienst.
„Unternehmer“.
Anlage.
Straßenbauverwaltung.

Ich war beeindruckt.

So viele Paragraphen für ungefähr 3 Quadratmeter.

😳

Der Kleine fragte:

„Und steht irgendwo drin, dass sie danach nichts Weiteres mehr brauchen?“

Ich blätterte nochmal.

Langsamer.

Sehr langsam.

Nein.

Fünf Seiten.
13 Paragraphen.
Unzählige Pflichten.

Und die eine Antwort, auf die meine Nachbarn seit Monaten warten?

… ist offenbar noch unterwegs.

😂

Dafür weiß ich jetzt, dass meine Nachbarn plötzlich Unternehmer sind.

Seit wann?

Keine Ahnung.

Vielleicht ab dem Moment, in dem man drei Quadratmeter Grünweg befestigen möchte.

Und auf die andere berühmte Frage gab es übrigens auch keine Antwort:

Wessen Erinnerungsvermögen lässt im Alter eigentlich nach?

Meine Nachbarn hatten sogar den Vorgesetzten ausdrücklich gebeten, dazu Stellung zu nehmen.

Also nicht kompliziert.

Einfach nur:

„Wie war dieser Satz eigentlich gemeint?“

Und was kam?

Nichts.

Auch hier:

Stille.

Eine beeindruckende, beharrliche, beinahe professionelle Stille.

Der Kleine flüsterte:

„Vielleicht ist die Antwort ja zusammen mit der Genehmigung unterwegs.“

Ich musste lachen.

😇

Ich muss sagen:

Da kann selbst ich noch etwas lernen.

Und ich stehe seit Monaten herum und sage gar nichts.

Der Kleine klopfte mir auf die Seite.

„Aber der Vertrag ist da.“

Ich nickte.

Ja.

Der Vertrag ist da.

Die Antwort leider noch nicht.

❤️
Euer Dachsbacher Kummerkasten

Frau Laterne hat auch noch eine Geschichte

💡 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Frau Laterne hat auch noch eine Geschichte …

Der Kleine und ich standen noch ganz friedlich nebeneinander.

Gerade frisch befreundet.

Gerade beschlossen, nicht zu explodieren.

Da räusperte sich plötzlich Frau Laterne.

😳

Ihr wisst ja:

Frau Laterne spricht selten.

Aber wenn sie spricht, wird es meistens interessant.

Sie sagte:

„Ähm … wenn wir schon bei alten Geschichten sind:
Da wäre noch der Kinderspielplatz.“

Ich sah sie an.

Der Kleine sah sie an.

Und irgendwo raschelte schon wieder mein innerer Kummerkasten.


🌱 Der Spielplatz

Meine Nachbarin hatte sich nämlich schon mehrfach wegen des Kinderspielplatzes an die Gemeinde gewandt.

Nicht nur sie.

Auch andere Bürgerinnen und Bürger hatten offenbar immer wieder etwas angesprochen.

Nach ihrer Wahrnehmung wurde dort nur sehr selten gemäht.

Teilweise stand das Gras so hoch, dass kleine Kinder darin fast verschwanden.

Praktisch.

Dann braucht man wenigstens keine Hüpfburg mehr.

😂

Auch der Zaun war irgendwann in einem Zustand, bei dem sich die Frage stellte:

Braucht man eigentlich noch ein Törchen …

… wenn die Kinder bequem durch die Löcher im Zaun passen?

😳

Ein neues Törchen war wohl bereits angeschafft.

Nur eingebaut war es noch nicht.

Der Kleine flüsterte:

„Vielleicht wartet es auf den Nutzungsvertrag.“

Ich musste lachen.

Frau Laterne nicht.

Sie hat mehr Haltung.


🪵 Sitzgelegenheiten und Sandkasten

Auch die Sitzgelegenheiten waren nach Wahrnehmung meiner Nachbarin irgendwann so heruntergekommen, dass man beim Hinsetzen aufpassen musste, keine Spreißel mitzunehmen.

Kostenloses Andenken vom Spielplatz.

Sehr nachhaltig.

😂

Und der Sandkasten?

Nun ja.

Der Sandkasten war irgendwann eher:

Betonkasten mit Restkies.

Nach Erinnerung meiner Nachbarin war bereits im Juni 2024 der Betonboden sichtbar.

Auch später, wenn sie mit ihren Enkelinnen dort war, änderte sich daran nach ihrer Wahrnehmung nichts Wesentliches.

Der „Sand“ bestand eher aus grobem Material.

Buddelburg?

Schwierig.

Betonmischung?

Schon eher.

😂


📸 Also machte meine Nachbarin irgendwann Fotos

Nicht aus Langeweile.

Sondern weil sie zeigen wollte, was sie meinte.

Hoher Bewuchs.

Der Zustand des Zauns.

Der Sandkasten.

Die Sitzgelegenheiten.

Alles Dinge, auf die sie bereits hingewiesen hatte.

Und auf diese Hinweise beziehungsweise die Dokumentation kam sinngemäß eine Rückmeldung in Richtung:

Man möge die eigenen Aussagen bitte erst einmal auf ihre Richtigkeit prüfen.

😳

Ich musste kurz nachfragen:

„Moment. Sie macht Fotos, damit man sieht, was sie meint – und soll danach erst einmal prüfen, ob ihre Aussagen überhaupt stimmen?“

Frau Laterne:

„So ungefähr.“

Der Kleine:

„Oh.“

Denn aus Sicht meiner Nachbarin fühlte sich das natürlich an wie:

„Vielleicht stimmt das ja alles gar nicht.“

Und genau das hat sie ziemlich getroffen.

Nicht, weil man unterschiedlicher Meinung sein darf.

Sondern weil sie sich ja gerade deshalb meldete, weil sie wollte, dass Dinge besser werden.


👀 Und dann kam die Vor-Ort-Begehung

Das Interessante ist:

Der Spielplatz liegt direkt gegenüber von meinen Nachbarn.

Und als dort später eine Vor-Ort-Begehung stattfand, ging es eigentlich um etwas ganz anderes:

um die Zufahrt zum Grundstück.

Also um mich.

Na ja.

Genau genommen darum, wie man trotz mir aufs Grundstück kommt.

😂

Aber wenn man schon einmal mit mehreren Leuten vor dem Haus steht und der Spielplatz direkt gegenüberliegt …

… dann kann man ja auch mal rüberschauen.

Und genau bei dieser Gelegenheit machte mein Nachbar zwei Angebote.

Nicht:

„Da muss endlich jemand etwas machen!“

Sondern eher:

„Wir würden sogar selbst mithelfen.“

Frau Laterne nickte.

Sie war schließlich dabei.

Also zumindest stand sie da.

Wie immer.

😂


🏖️ Angebot Nummer eins: Sand

Nachdem der Sandkasten schon sehr lange kaum noch Sand enthielt, bot mein Nachbar bei dieser Begehung sinngemäß an:

„Sagt mir einfach, welchen Sand ihr braucht. Dann hole ich den und fülle den Sandkasten auf.“

Eigentlich eine ziemlich unkomplizierte Idee.

Sand fehlt.

Jemand bietet an, Sand zu holen.

Sandkasten wieder voll.

Fertig.

Oder?

😳

Nach Erinnerung meiner Nachbarn wurde erklärt, dass das nicht so einfach gehe.

Für einen öffentlichen Spielplatz brauche man einen bestimmten beziehungsweise geeigneten Sand.

Völlig in Ordnung.

Ich bin Glasfaser und kein Sandgutachter.

😂

Wenn Spielplatzsand bestimmte Anforderungen erfüllen muss, wird das seinen Grund haben.

Nur fragte der Kleine irgendwann vorsichtig:

„Wenn da nur ganz bestimmter Sand rein darf … wäre es dann nicht besonders wichtig gewesen, dass genau dieser Sand irgendwann drin ist?“

Ich sah ihn an.

Frau Laterne sah ihn an.

Er wurde ein bisschen nervös.

„War nur eine Frage.“

😂


🚜 Angebot Nummer zwei: Dann mähen wir eben auch

Und weil man schon einmal beim Thema Spielplatz war, kam gleich das nächste Angebot.

Mein Nachbar sagte sinngemäß:

„Wenn hier ein Rasenmäher zur Verfügung stehen würde und vielleicht ein kleines Häuschen am Spielplatz stünde, würden sich durchaus Leute finden, die regelmäßig mähen.“

Nicht nur den Spielplatz.

Sondern gleich auch noch:

die verwucherten Parkplätze,

den Gemeindeweg

und alles, was rundherum eben so vor sich hinwächst.

Der Bauhof müsste im Grunde nur regelmäßig Benzin bereitstellen.

Die Bürger mähen.

Der Bauhof wird entlastet.

Das Gras wird kürzer.

Die Kinder verschwinden nicht mehr im Dschungel.

Alle glücklich. 😂

Ich dachte:

Das klingt verdächtig nach einer Lösung.

Die Antwort war sinngemäß:

„Könnt ihr gerne machen.“

Sehr schön!

Ich war kurz begeistert.

Dann kam Teil zwei:

„Den Rasenmäher müsst ihr euch morgens beim Bauhof abholen und anschließend wieder zurückbringen.“

😳

Ich sah Frau Laterne an.

Der Kleine sah mich an.

Ich fragte:

„Mit dem Auto?“

Frau Laterne:

„Vermutlich.“

Also morgens zum Bauhof.

Rasenmäher ins Auto.

Zurück zum Spielplatz.

Mähen.

Rasenmäher wieder ins Auto.

Zurück zum Bauhof.

Und zwischendrin hoffen, dass Benzin, Grasreste und Erde das Familienauto ebenfalls als Bürgerengagement verstehen.

😂

Der Kleine murmelte:

„Da braucht man fast einen Anhänger, um ehrenamtlich Rasen zu mähen.“

🌿 Apropos Mähen … da wäre noch eine Kleinigkeit

Frau Laterne räusperte sich schon wieder.

Langsam macht sie mir wirklich Konkurrenz.

Sie sagte:

„Ihr wisst aber schon, dass die beiden seit ungefähr 30 Jahren einen Gemeindeweg mähen?“

😳

Der Kleine schaute mich an.

Ich schaute Frau Laterne an.

„Seit wie vielen Jahren?“

Rund 30.

Und wir reden hier nicht von drei Metern Grünstreifen vor der Haustür.

Der Gemeindeweg verläuft neben dem Grundstück meiner Nachbarn und zieht sich ein ganzes Stück bis hinunter zum Bach.

Das ist nicht wenig Fläche.

Und auch nicht wenig Arbeit.

Jahr für Jahr.

Sommer für Sommer.

Seit Jahrzehnten.

Einfach so.

Ohne Rechnung.

Ohne Arbeitsauftrag.

Ohne großes Tamtam.

Bürgerarbeit, könnte man sagen. 😉

Der Kleine wurde nachdenklich.

Dann fragte er:

„Und weiß die Gemeinde eigentlich, dass die das seit ungefähr 30 Jahren machen?“

Frau Laterne überlegte.

Ich überlegte.

Meine Nachbarn übrigens auch.

Und die ehrliche Antwort lautet:

Wir wissen es nicht. 😂

Manchmal haben sie sogar den leisen Verdacht, dass dort vielleicht gar niemand weiß, wer diesen langen Gemeindeweg seit Jahrzehnten regelmäßig mäht.

Der Kleine nickte anerkennend.

„Nicht schlecht für Leute, die offenbar erst noch lernen müssen, wie Bürgerarbeit funktioniert.“

Ich stupste ihn an.

„Vorsicht. Nicht frech werden.“

Er:

„Ich? Niemals.“ 😇


🤔 Und später wurde Bürgerarbeit gelobt

Und genau da musste Frau Laterne noch an etwas denken.

Bei einer späteren Gemeinderatssitzung wurde nämlich viel darüber gesprochen, wie schön es sei, wenn Bürgerinnen und Bürger in anderen Ortsteilen selbst mit anpacken.

Bürgerarbeit.

Eigeninitiative.

Gemeinsam etwas fürs Dorf tun.

Alles richtig.

Alles schön.

Nur dachte Frau Laterne dabei offenbar:

„Ähm … das passiert hier doch eigentlich schon seit Jahrzehnten.“

Also nur fürs Protokoll:

Gemeindeweg mähen – seit rund 30 Jahren.

Sand holen und Sandkasten auffüllen – angeboten.

Spielplatz mähen – angeboten.

Parkplätze mähen – angeboten.

Nicht einmal gegen Bezahlung.

Man hätte ihnen das Ganze nur ein kleines bisschen praktikabler machen müssen.

Zum Beispiel:

Rasenmäher dort.
Benzin dort.
Los geht’s.

Statt:

Bauhof → Auto → Spielplatz → Auto → Bauhof.

😂

Ich fragte:

„Und wurde dieses Hilfsangebot in der Sitzung erwähnt?“

Frau Laterne:

„Nicht, dass ich mich erinnere.“

Ich zuckte kurz zusammen.

„Vorsicht mit Erinnerungen. Das ist neuerdings ein sensibles Thema.“ 😂

Der Kleine prustete los.


🛝 Und dann geschah doch noch einiges

Nachdem die Hinweise weiter im Raum standen und das Thema Sicherheit und Zustand des Spielplatzes angesprochen worden war, passierte schließlich einiges.

Nach Wahrnehmung meiner Nachbarin innerhalb relativ kurzer Zeit:

Sand wurde aufgefüllt.

Eine Schaukel wurde repariert.

Kaputte Holzteile wurden ausgetauscht.

Bank und Tisch verschwanden beziehungsweise wurden entfernt.

😳

Ich sah Frau Laterne an.

Frau Laterne sah mich an.

Der Kleine sagte:

„Komisch. Für Dinge, bei denen erst einmal geprüft werden sollte, ob die Hinweise überhaupt stimmen, wurde aber ziemlich viel gemacht.“

Ich schwieg.

Manchmal ist Schweigen wirklich Gold.

😂


🥅 Und offenbar war das noch nicht alles

Frau Laterne räusperte sich.

Schon wieder.

Langsam wird sie richtig gesprächig.

„Übrigens … ich hab da vor ein paar Tagen noch etwas gesehen.“

Wir beide schauten zu ihr hoch.

Was blieb uns auch anderes übrig?

Sie hat schließlich die beste Aussicht von uns allen.

Frau Laterne sieht alles. 😂

Und tatsächlich hatte sie beobachtet, wie mehrere Männer auf dem Spielplatz ziemlich geschäftig ein Netz begutachteten.

Nicht nur kurz mal:

„Jo, hängt noch.“

Nein.

Da wurde geschaut.

Gezeigt.

Geprüft.

Nochmal geschaut.

Und ziemlich ernst über dieses Netz nachgedacht.

Der Kleine fragte:

„War das auch kaputt?“

Frau Laterne:

„Das weiß ich nicht.“

Ich:

„Sehr vernünftig. Wir wollen hier schließlich keine Unterstellungen verbreiten.“ 😇

Was genau an dem Netz geprüft wurde, wissen wir also nicht.

Aber interessant ist es schon:

Nachdem meine Nachbarin wegen des Zustands des Spielplatzes immer wieder Hinweise gegeben hatte, wurden inzwischen

Sand aufgefüllt,

eine Schaukel repariert,

Holzteile ausgetauscht,

Sitzgelegenheiten entfernt

und nun wurde offenbar auch noch das Netz genauer unter die Lupe genommen.

Ich sah den Kleinen an.

Der Kleine sah Frau Laterne an.

Und Frau Laterne sagte trocken:

„Für einen Spielplatz, bei dem erst einmal geprüft werden sollte, ob die Hinweise überhaupt stimmen, ist hier inzwischen erstaunlich viel passiert.“

😳

Ich glaube, Frau Laterne entwickelt Humor.

Das macht mir fast ein bisschen Angst. 😂


🧵 Und da war er wieder: der rote Faden

Meine Nachbarin hatte nämlich schon damals versucht zu erklären:

Ihre Praxis ist ein bisschen wie ein Kummerkasten.

Menschen erzählen ihr Dinge.

Was sie stört.

Was nicht funktioniert.

Wo etwas kaputt ist.

Wo sie sich ärgern.

Und wenn sie solche Hinweise weitergibt, dann nicht, um jemanden persönlich anzugreifen.

Sondern weil sie denkt:

„Vielleicht ist es gut, wenn die Gemeinde weiß, was die Bürger beschäftigt.“

Eigentlich könnte man das sogar als Feedback verstehen.

Kostenlos.

Direkt aus dem Ort.

Ohne Umfrage.

Ohne Beraterfirma.

😂

Aber irgendwie entstand bei meiner Nachbarin immer öfter der Eindruck:

Hinweis geben → Diskussion.

Nachfragen → Rechtfertigung.

Auf ein Problem aufmerksam machen → erst einmal prüfen, ob die Aussage überhaupt stimmt.

Und wenn später doch etwas repariert wird …

Entschuldigung?

Fehlanzeige.

Ich fragte Frau Laterne:

„Und hat sich damals jemand bei ihr entschuldigt?“

Sie schüttelte langsam den Lampenkopf.

Der Kleine murmelte:

„Ach.“

Ich:

„Das kommt mir mittlerweile auch irgendwie bekannt vor.“

Vielleicht geht es nämlich gar nicht nur um mich.

Nicht nur um eine Zufahrt.

Nicht nur um einen Nutzungsvertrag.

Vielleicht geht es irgendwann einfach darum, wie oft man etwas ansprechen kann, bevor man sich fragt:

Bin ich hier eigentlich Bürger …

oder störe ich gerade?

Frau Laterne leuchtete kurz heller.

Und sagte:

„Manchmal wäre ein einfaches
‘Danke für den Hinweis, wir schauen uns das an’
schon erstaunlich viel.“

Ich war beeindruckt.

Die Frau spricht selten.

Aber wenn, dann sitzt es.

Und damit standen wir wieder da.

Frau Laterne.

Der kleine Stromkasten.

Ich.

Drei stille Beobachter.

Und irgendwo da draußen wartet vielleicht immer noch jemand darauf, dass aus einem Hinweis einfach mal ein:

„Danke. Wir kümmern uns.“

wird.

Fortsetzung folgt …

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Du….wenn wir gerade bei Anträgen sind – ich kenne da noch eine Geschichte

🗃️ Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

„Du … wenn wir gerade bei Anträgen sind: Ich kenne da noch eine Geschichte.“

Heute bekam ich Besuch.

Na ja.

Besuch ist vielleicht übertrieben.

Der Kleine steht ja sowieso neben mir.

Ihr wisst schon.

Der etwas in die Jahre gekommene Kasten.

Nicht besonders hübsch.

Ein bisschen verwittert.

Man weiß auf den ersten Blick nicht so genau, ob er Telefon, Strom oder einfach nur schlechte Laune beherbergt.

Inzwischen wissen wir:

Er macht Strom.

Pflegen tut er sich trotzdem nicht. 😂


Heute tippte er mir jedenfalls vorsichtig auf die Schulter.

Also sinngemäß.

Wir Kästen haben mit Schultern ja so unsere Grenzen.

Und sagte:

„Du … wenn wir gerade bei Anträgen sind: Ich kenne da noch eine Geschichte.“

Ich schaute ihn an.

Er wirkte ungewöhnlich ernst.

Dann sagte er:

„Aber ich hab ein bisschen Angst, dass du vor Wut explodierst.“

Ich musste lachen.

„Junge. Ich bin Glasfaser. Ich explodiere nicht so leicht.“

Und dann dachte ich kurz nach.

„Außerdem hab ich dich inzwischen irgendwie liebgewonnen.“

Der Kleine schaute ganz verlegen.

„Echt?“

„Na ja. Du bist hässlich. Aber du bist zuverlässig.“ 😂

Und vielleicht, dachte ich, werden wir ja doch noch Freunde.


Dann holte der Kleine tief Luft.

So tief ein Stromkasten eben Luft holen kann.

Und sagte:

„Es geht um einen Benefizlauf.“

Ich wurde hellhörig.


🏃 Der Benefizlauf

Vor einiger Zeit wollten meine Nachbarn einen Benefizlauf organisieren.

Eine richtige Veranstaltung.

Teilnehmer.

Planung.

Kosten.

Straßensperrung.

Alles, was eben dazugehört.

Nach Erinnerung meiner Nachbarn wurde dazu mehrfach Kontakt mit dem Bauamt aufgenommen.

Es wurde telefoniert.

Es wurde geschrieben.

Es gab Gespräche vor Ort.

Es wurden Pläne geändert.

Verschiedene Ansprechpartner waren beteiligt.

Also dachte man irgendwann:

Läuft. 😂


Der Benefizlauf sollte am 2. Mai stattfinden.

Im März wurde es langsam spannend.

Denn die Veranstaltung war längst in Planung.

Teilnehmer hatten sich angemeldet.

Kosten mussten kalkuliert werden.

Und die Frage wurde immer dringlicher:

„Wo bleibt eigentlich die Genehmigung für die Straßensperrung?“

Also wurde nachgefragt.

Nach Erinnerung meiner Nachbarn entstand dabei zunächst immer wieder der Eindruck:

Kommt noch.

Ist noch in Bearbeitung.

Kommt noch.

Okay.

Man wartet.

Man plant weiter.

Man hofft.


Und irgendwann kam dann sinngemäß die überraschende Information:

„Sie haben doch gar keinen Antrag gestellt.“

😳

Ich sah den kleinen Kasten an.

Der kleine Kasten sah mich an.

Frau Laterne tat so, als würde sie nichts hören.

Ich fragte:

„Moment. Es gab vorher Gespräche?“

„Ja.“

„Telefonate?“

„Ja.“

„Schriftverkehr?“

„Ja.“

„Vor-Ort-Gespräche?“

„Ja.“

„Planänderungen?“

„Ja.“

„Und irgendwann stellte sich heraus, dass trotzdem noch ein Antrag fehlte?“

„Ja.“

Ich schwieg.

Dann sagte ich:

„Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ 😂


📄 Und jetzt kommt mein persönliches Lieblingsdetail

Der benötigte Antrag hatte nach Erinnerung meiner Nachbarn einen Titel in Richtung:

„Antrag auf Absperrung einer Baustelle“

Für einen Benefizlauf. 😂

Ich weiß nicht, wie ihr das seht.

Aber wenn ich einen Benefizlauf plane, denke ich spontan an:

Läufer.

Streckenposten.

Wasserstationen.

Startnummern.

Vielleicht Kuchen.

Was ich nicht als Erstes denke:

„Ah ja. Baustellenabsperrung. Natürlich.“

😂😂😂


Und genau da liegt für mich der interessante Punkt.

Nicht, dass ein Antrag gebraucht wurde.

Das kann ja völlig richtig sein.

Sondern:

Nach Erinnerung meiner Nachbarn gab es vorher bereits mehrere Kontakte, Gespräche und Änderungen.

Und trotzdem wurde offenbar erst relativ spät klar:

Da fehlt noch ein formeller Antrag.

Der Kleine scharrte ein bisschen mit seinem Sockel.

„Und im Nachhinein hieß es dann eben: Der Antrag wurde nicht gestellt.“

Ich nickte langsam.

Denn genau da kam mir die Geschichte unangenehm bekannt vor.

Nicht dieselbe Geschichte.

Nicht derselbe Vorgang.

Und ich behaupte natürlich auch nicht, dass hier alles identisch gelaufen wäre.

Aber dieses:

fragen,
besprechen,
planen,
warten –

und irgendwann stellt sich heraus:

„Da fehlt noch etwas.“

… das klingt zumindest erstaunlich vertraut.

Etwas, von dem man nach all den Gesprächen gehofft hatte, dass einem rechtzeitig gesagt wird, dass man es braucht.


Der Kleine sah mich vorsichtig an.

„Und? Explodierst du?“

Ich überlegte.

„Noch nicht.“

Er wirkte erleichtert.

Dann fragte er:

„Freunde?“

Ich schaute ihn an.

Verwittert.

Ein bisschen schief.

Nicht besonders fotogen.

Aber irgendwie sympathisch.

„Freunde.“ ❤️

Und dann standen wir da.

Zwei Kästen.

Ein großer neuer.

Ein kleiner alter.

Und beide mit derselben Frage:

Wie oft muss man eigentlich nachfragen, bis man weiß, was man wirklich beantragen muss?

😂


Der Kleine flüsterte noch:

„Ich hab übrigens noch mehr Geschichten.“

Ich schaute sofort zu Frau Laterne.

Sie ging an.

Einfach so.

Wie immer.

Ohne Antrag.

Ohne Formular.

Ohne Baustellenabsperrung.

Ich glaube, ich mag sie immer noch am liebsten. 😂

Fortsetzung folgt …

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Wessen Erinnerung eigentlich?

💥 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Wessen Erinnerung eigentlich?

Heute habe ich eine neue Lieblingsfrage.

Nicht:

Wo ist der Nutzungsvertrag?

Nicht:

Was brauchen meine Nachbarn noch?

Sondern:

Wessen Erinnerungsfähigkeit lässt eigentlich im Alter nach? 😳

Denn genau darauf läuft die neueste E-Mail hinaus.


Mein Nachbar hatte – zugegeben ziemlich verärgert – noch einmal geschrieben.

Mit einer Spitze.

Sinngemäß:

Ihm werde langsam bewusst, dass sich der zuständige Mitarbeiter offenbar weder an frühere Aussagen noch an die Ortsbegehung im Juni so erinnert wie meine Nachbarn und die Menschen, die damals dabei waren.

Kann man freundlicher schreiben.

Ganz sicher.

Aber nach Monaten vielleicht auch nachvollziehbar.

Und darauf kam dann diese Antwort:

„Das mit der Erinnerungsfähigkeit lässt offensichtlich im Alter nach.“

Mehr nicht.


Ich habe den Satz jetzt mehrfach gelesen.

Und ich weiß es immer noch nicht.

Wer ist gemeint?

Mein Nachbar?

Der Absender selbst?

Die Zeugen?

Menschen aus dem Gemeinderat, die offenbar davon ausgingen, die Sache sei längst erledigt?

Oder gleich alle zusammen?

Vielleicht ist es eine allgemeine medizinische Feststellung.

Ich bin kein Arzt.
Ich bin ein Glasfaserkasten. 😂


Meine Nachbarn hatten jedenfalls sofort das Gefühl:

Das ging gegen uns.

Ob es tatsächlich so gemeint war, kann ich natürlich nicht wissen.

Aber genau das ist ja das Problem:

Der Satz erklärt es nicht.

Er beantwortet nichts.

Und er lässt sehr viel Raum für Interpretation.


Man hätte zum Beispiel schreiben können:

„Damit meine ich Ihre Erinnerung.“

Dann wäre wenigstens klar gewesen, worüber man sich gerade streitet.

Oder:

„Damit meine ich meine eigene.“

Das wäre überraschend selbstkritisch gewesen. 😂

Oder:

„Wir erinnern uns offenbar unterschiedlich.“

Das wäre wahrscheinlich sogar die vernünftigste Variante gewesen.

Aber nein.

Wir bekommen:

„Das mit der Erinnerungsfähigkeit lässt offensichtlich im Alter nach.“

Und dürfen jetzt selber herausfinden, wer gemeint war.


Ich glaube, wir brauchen mittlerweile neben dem Nutzungsvertrag noch etwas Zweites:

einen Übersetzer.

Deutsch → Verwaltung.

Verwaltung → Bürger.

Und neuerdings:

Andeutung → Wer war eigentlich gemeint?

😂


Und genau da liegt für mich das eigentlich Verrückte.

Meine Nachbarn fragen seit Monaten immer wieder nach konkreten Dingen:

Was gilt jetzt?

Was fehlt noch?

Ist nach der Nutzungsvereinbarung wirklich alles erledigt?

Darauf könnte man antworten.

Ganz nüchtern.

Ganz sachlich.

Stattdessen diskutieren wir plötzlich darüber, wessen Gedächtnis möglicherweise altersbedingt nachlässt.

Das war bei der ursprünglichen Planung übrigens nicht vorgesehen. 😄


Und ja:

Meine Nachbarn empfinden diesen Satz als persönliche Spitze.

Ob er tatsächlich so gemeint war, weiß ich nicht.

Aber wenn man einen Satz so formuliert, muss man sich zumindest nicht wundern, wenn der Empfänger denkt:

„Äh … meinst du jetzt mich?“ 😳


Vielleicht wäre es irgendwann wirklich einfacher, wenn jemand sagt:

„Wir erinnern uns unterschiedlich. Lassen wir das so stehen. Jetzt klären wir die Sache abschließend.“

Keine Spitze.

Keine Gegen-Spitze.

Keine Gedächtnisdiagnostik.

Einfach: Lösung.


Aber gut.

Heute habe ich wieder etwas gelernt:

Mit der Erinnerungsfähigkeit ist das offenbar so eine Sache.
Mit der Eindeutigkeit eines Satzes auch.

😂

Und bevor hier noch jemand fragt, ob auch meine Erinnerungsfähigkeit nachlässt:

Keine Sorge.

Ich erinnere mich ziemlich gut daran, dass ich immer noch hier stehe.

Und der Nutzungsvertrag noch immer nicht bei mir vorbeigekommen ist.

Was die ganzen Unterstellungen angeht …

dazu kommen wir in der nächsten Geschichte. 😇

Bis dahin:

Herumstehen.
Glasfaser beherbergen.
Zwischen den Zeilen lesen.
Und möglichst langsam altern.

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Hurra, eine Antwort! Und eine kleine Gebrauchsanweisung fürs Bauamt

📬 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Hurra, eine Antwort! Und eine kleine Gebrauchsanweisung fürs Bauamt 😂

Leute, es gibt Neuigkeiten.

Nachdem meine Nachbarn noch einmal schriftlich um eine verbindliche Klärung gebeten und dafür eine Frist gesetzt hatten, kam tatsächlich eine ausführliche Rückmeldung.

Diesmal aus dem Gemeinderat.

Ich war begeistert! 🎉

Und die ersten Sätze waren sogar richtig vielversprechend.

Sinngemäß stand dort:

Man habe gar nicht gewusst, dass die Nutzungsvereinbarung noch immer nicht da sei.

Man habe gedacht, das Thema sei erledigt.

Nach der Ortsbegehung im Juni sei die Angelegenheit jedenfalls mündlich abgeschlossen gewesen.

😳

Ich dachte:

Na also!

Juni erledigt.

Das klingt doch hervorragend.

Gut, wir haben inzwischen Oktober und der Nutzungsvertrag fehlt noch immer – aber man soll ja nicht kleinlich sein. 😂


Dann las ich weiter.

Und plötzlich erfuhr ich sehr viel darüber, warum „erledigt“ noch nicht ganz erledigt ist.

Es wurde mehrfach gesprochen.
Es wurde nachgefragt.
Es wurde um eilige Bearbeitung gebeten.
Es gab viel Arbeit.
Es gab Schulungen.
Der zuständige Mitarbeiter war nicht da.
Und andere Mitarbeiter seien mit dem Fall eben nicht so vertraut.

Alles verständlich.

Nur mein kleiner Freund, der Nutzungsvertrag, hat es trotz dieser vielen Aktivitäten noch nicht aus der To-do-Liste herausgeschafft.


🏢 Und dann kam mein Lieblingsabschnitt

Meine Nachbarn waren nämlich persönlich im Bauamt.

Ja.

Einfach so. 😳

Nachdem sie telefonisch niemanden erreicht hatten und weiterhin wissen wollten, was denn nun eigentlich Sache ist.

Dort trafen sie einen Sachbearbeiter, der den Vorgang durchaus kannte.

Sogar ziemlich gut.

Er hatte schließlich die Ablehnung für die Zufahrt geschrieben.

Ich als einfacher Kasten dachte deshalb:

Perfekt! Der kennt sich aus!

😂

Nein.

Denn nun erfuhren meine Nachbarn in der Rückmeldung aus dem Gemeinderat sinngemäß:

Das war leider der falsche Ansprechpartner.

Er sei bei der Ortsbegehung im Juni nicht dabei gewesen und kenne deshalb den neuesten Stand nicht.

Moment.

Ich muss kurz meine Glasfasern sortieren.

Der Sachbearbeiter kennt den Vorgang gut genug, um die Zufahrt abzulehnen …

… aber nicht gut genug, um anschließend zu erklären, welchen Stand genau diese Zufahrt inzwischen hat?

😂

Das muss man als Kasten erst einmal verstehen.


Offenbar gibt es verschiedene behördliche Kenntnisstufen:

Kennt den Vorgang nicht.

Kennt den Vorgang.

Hat den Vorgang bearbeitet.

Hat sogar etwas dazu entschieden.

Ist trotzdem der falsche Ansprechpartner.

Und ganz oben:

Der richtige Ansprechpartner.

Der war allerdings gerade auf Schulung.

😂


Für die Zukunft wurde deshalb empfohlen, direkt mit dem richtigen Ansprechpartner einen Termin zu vereinbaren.

Guter Plan!

Man muss ihn nur erreichen.

Und wenn das telefonisch nicht klappt und man deshalb persönlich ins Bauamt geht …

… sollte man offenbar möglichst nicht den Mitarbeiter fragen, der den eigenen Vorgang bereits bearbeitet hat.

Wieder etwas gelernt.

Ich glaube, ich brauche bald ein Organigramm. 😂


🤔 Eine Frage blieb allerdings erstaunlich still

Die Person aus dem Gemeinderat, von der diese Rückmeldung kam, war selbst bei der Ortsbegehung im Juni dabei.

Und genau über diesen Termin gibt es inzwischen unterschiedliche Erinnerungen.

Meine Nachbarn erinnern sich daran, dass die Nutzungsvereinbarung als unkompliziert und kurzfristig zu erledigen dargestellt wurde.

Weitere Anwesende erinnern sich ebenfalls daran.

Von anderer Seite heißt es inzwischen:

So wurde das nicht gesagt.

Und ausgerechnet die Person, die jetzt ausführlich geantwortet hat und selbst dabei war?

Zu diesem Punkt kein Wort.

Schade eigentlich.

Gerade das wäre interessant gewesen.


Während ich diese ausführliche Mail las, kam mir deshalb ein Gedanke:

Vielleicht hätte irgendwann auch einfach ein Vierzeiler gereicht:

„Es tut uns leid, dass sich die Sache so lange verzögert.
Wir waren davon ausgegangen, dass sie längst geklärt sei.
Die fehlende Vereinbarung wird jetzt fertiggestellt.
Und anschließend erhalten Sie verbindlich die Information, ob noch irgendetwas erforderlich ist.“

Fertig.

Vier Sätze.

Keine Schulungspläne.

Keine Zuständigkeitskunde.

Und vor allem keine Anleitung dazu, welchen Sachbearbeiter man besser nicht zu seinem eigenen Vorgang befragt. 😂


Aber ich will nicht undankbar sein:

Es kam eine Antwort.

Und das ist nach all der bisherigen Stille tatsächlich erfreulich.

Jetzt fehlen eigentlich nur noch zwei Kleinigkeiten:

die Nutzungsvereinbarung

und

die Antwort auf die Frage, ob danach wirklich alles erledigt ist.

Aber vielleicht stehen die ja beide schon auf derselben To-do-Liste.

☐ Schulung
☐ Zuständigkeit klären
☐ Richtigen Ansprechpartner finden
☐ Erklären, warum der andere Ansprechpartner falsch war
☐ Nutzungsvertrag

😂

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Die Laterne spricht – Waaahnsinn

🪄 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Mein Wunsch wurde erfüllt. Frau Laterne hat gesprochen.

Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen letzten Wunsch.

Ich hatte ja gesagt:

Wenn schon keine gute Fee kommt, dann wäre es doch wenigstens schön, wenn Frau Laterne einmal etwas sagen würde.

Nun.

Was soll ich sagen?

Mein Wunsch wurde erfüllt. 😳

Frau Laterne hat gesprochen.

Ich war so erschrocken, dass ich beinahe meine Glasfaser verloren hätte.

Sie sagte nämlich ganz beiläufig:

„Du weißt aber schon, was hier im Februar vor dem Rathaus los war?“

Ich:

„Äh … nein?“

Und dann erzählte sie mir, dass es da offenbar einmal einen ziemlich unschönen Vorfall gegeben hatte.

Farbe an der Rathaustür.

Und Altöl auf Treppe und Platz.

Das war sogar in der Zeitung.

Ich stand da.

Also gut.

Ich stehe ja immer da.

Aber diesmal stand ich innerlich noch ein bisschen mehr da.

Und ich dachte:

Warum haben mir meine Nachbarn DAS eigentlich nie erzählt?

Dann habe ich kurz nachgedacht.

Und plötzlich erschien mir das gar nicht mehr so rätselhaft.

Bei all dem, was meinen Nachbarn in den vergangenen Monaten schon zugeschrieben oder vorgehalten wurde, wollten sie vermutlich lieber vermeiden, dass irgendwann noch jemand auf die Idee kommt:

„Aha! Und das Öl …?“ 😳

Nein.

Liebe Leserinnen und Leser.

Bevor hier jemand den nächsten Band eröffnet:

Nein. 😂

Meine Nachbarn waren das selbstverständlich nicht.

Und das lässt sich diesmal sogar besonders angenehm feststellen:

Der zeitliche Ablauf passt überhaupt nicht.

Der Vorfall am Rathaus war im Februar.

Ich, der Dachsbacher Kummerkasten, zog erst danach in diese Geschichte ein.

Damals war ich mit meinen Nachbarn also noch nicht einmal richtig bekannt.

Wir hatten noch keine gemeinsame Vergangenheit.

Keine Nutzungsverträge.

Keine Ortsbegehung.

Keine E-Mail-Sammlung.

Keine 4:4-Zeugenlage.

Nicht einmal unser heutiges, inniges Verhältnis. ❤️

Ich war praktisch noch ein völlig unbeschriebenes Kästchen.


💡 Und dann sagte Frau Laterne etwas Erstaunliches

Frau Laterne schaute mich an.

Ich schaute Frau Laterne an.

Dann sagte sie:

„Siehst du. Manchmal hilft ein Blick auf die Zeitachse.“

…

Ich sage euch:

Die Frau spricht EINMAL – und dann gleich vernünftig.

Unfassbar.

Seit Monaten steht sie hier herum, leuchtet abends ein bisschen und mischt sich in nichts ein.

Und kaum öffnet sie den Mund, hat sie mehr zur Aufklärung beigetragen als ich in mehreren Folgen. 😂

Ich muss das erst einmal verkraften.

Aber immerhin weiß ich jetzt:

Mein Wunsch wurde erfüllt.

Frau Laterne kann sprechen.

Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal mit meinen Wünschen etwas mutiger werden.

Zum Beispiel:

„Ich wünsche mir den Nutzungsvertrag.“

Wobei …

nach allem, was ich inzwischen gelernt habe, wäre ein Einhorn vermutlich realistischer. 🦄😂


Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Ich bin sprachlos. Wirklich sprachlos.

😳 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Ich bin sprachlos. Wirklich sprachlos.

Ich bin sprachlos.

Ich bin einfach sprachlos.

Und das will bei mir wirklich etwas heißen.

Ich bin schließlich ein Kasten.

Sprachlos ist eigentlich mein Grundzustand. 😂

Aber diesmal meine ich es ernst.

Ihr erinnert euch:

Nachdem meine Nachbarn Anfang der Woche noch einmal beim Bauamt waren und der angekündigte Nutzungsvertrag dort immer noch nicht vorlag, war irgendwann Schluss mit:

„Na gut, wir warten halt noch ein bisschen.“

Denn meine Nachbarn hatten in den vergangenen Monaten schon einiges ausprobiert.

Sie hatten gefragt.

Sie hatten noch einmal gefragt.

Sie hatten E-Mails geschrieben.

Und dann …

📭 kam meistens: nichts.

Meine Nachbarn fragten nach.

Und warteten.

Sie schrieben eine E-Mail.

Und warteten.

Dann noch eine.

Und warteten.

Vielleicht noch eine.

Und warteten.

Eine Antwort im Sinne von:

„Wir kümmern uns darum.“

gab es nicht.

Auch kein:

„Wir melden uns.“

Nicht einmal ein kleines:

„Ist angekommen.“

Es gab vielmehr die wohl zuverlässigste Konstante dieser ganzen Geschichte:

Stille. 🤫

Eine beeindruckende, beharrliche, geradezu professionelle Stille.

Ich muss zugeben:

Da kann selbst ich noch etwas lernen.

Und ich stehe seit Monaten herum und sage gar nichts. 😂

Irgendwann wussten meine Nachbarn also nicht einmal mehr:

Wird daran gearbeitet?

Hat es jemand gelesen?

Ist es irgendwo angekommen?

Lebt der Nutzungsvertrag überhaupt noch?


📅 Also wurde jetzt eine Deadline gesetzt

Nach all dem Hin und Her haben meine Nachbarn noch einmal den gesamten Gemeinderat angeschrieben.

Und diesmal ganz klar gesagt:

Bis zum nächsten Wochenende möchten wir eine verbindliche schriftliche Klärung.

Nicht irgendwann.

Nicht irgendeine weitere mündliche Version.

Und vor allem nicht wieder:

Stille. 🤫

Sondern:

schriftlich.
klar.
verbindlich.

Eigentlich kein völlig verrückter Wunsch.

Dachte ich jedenfalls.


📧 Und tatsächlich: Es kam eine Antwort

Ich war kurz beeindruckt.

Eine Antwort!

Kommunikation!

Sie lebt! 🎉

Ich dachte schon:

Vielleicht kommt jetzt endlich dieser wunderschöne Satz:

„Ja, der Nutzungsvertrag wurde am 30.06. so zugesagt. Es hat länger gedauert als angekündigt. Das tut uns leid. Wir erledigen das jetzt.“

Das wäre langweilig gewesen.

Aber wunderschön langweilig.

Leider hielt meine Freude nicht besonders lange.

Denn sinngemäß hieß es nun:

So sei das am 30.06. gar nicht gesagt worden.

…

Entschuldigung.

Ich muss kurz mein Türchen sortieren.


👀 Acht Menschen waren dabei

Bei der Ortsbegehung am 30.06. waren acht Personen anwesend.

Acht.

Das ist nicht mehr wirklich ein vertrauliches Gespräch unter vier Augen.

Das ist schon fast eine kleine Reisegruppe. 😂

Und von mindestens vier Personen wissen meine Nachbarn inzwischen, dass sie sich an genau diese Aussage ebenfalls erinnern.

Der Nutzungsvertrag sei nur eine Formsache.

Ein paar Seiten.

Drei bis vier Werktage.

Schnell erledigt.

Bei den anderen weiß ich natürlich nicht, wie sie sich erinnern.

Vielleicht anders.

Vielleicht gar nicht.

Vielleicht möchten sie sich auch einfach nicht in die nächste Folge meiner Serie hineinziehen lassen. 😄

Aber ich habe daraus gelernt:

Bei wichtigen Gesprächen niemals mit einer geraden Zahl an Zeugen erscheinen.

Sonst steht es irgendwann 4:4.

Und plötzlich braucht man Verlängerung und Elfmeterschießen. 😂


🤔 Und jetzt komme ich ins Grübeln

Je länger ich über diese ganze Geschichte nachdenke, desto mehr frage ich mich:

Wie konnte das eigentlich so groß werden?

Ganz am Anfang ist offenbar schlicht etwas schiefgelaufen.

Meine Nachbarn wollten wissen:

Was müssen wir eigentlich beantragen?

Sie haben gefragt.

Mehrfach.

Auch der Projektleiter des Carports hat sich erkundigt.

Trotzdem kam offenbar nicht die Information an, die nötig gewesen wäre.

Das kann passieren.

Menschen machen Fehler.

Ämter machen Fehler.

Vielleicht machen sogar Glasfaserkästen Fehler.

Gut.

Ich persönlich natürlich eher selten.

Aber theoretisch. 😎

Was mich nur wundert:

Man hätte das doch damals ganz einfach lösen können.

Mit einem Satz wie:

„Entschuldigung. Da ist etwas schiefgelaufen. Wir schauen jetzt gemeinsam, wie wir das lösen.“

Fertig.

Ende.

Vielleicht Happy End nach drei Seiten.

Aber so kam es nicht.


🚪 Also fragten meine Nachbarn weiter

Zunächst versuchten sie, sich noch an einen anderen Mitarbeiter zu wenden.

Der fühlte sich dafür aber nicht zuständig.

Okay.

Kann passieren.

Dann gingen meine Nachbarn weiter.

Eine Etage höher.

Dorthin, wo man hingeht, wenn man denkt:

Jetzt muss doch jemand helfen können.

Schließlich waren inzwischen Monate vergangen.

E-Mails waren unbeantwortet geblieben.

Und irgendwann stand sogar im Raum, ob über bestimmte Dinge überhaupt jemals gesprochen worden sei.

Meine Nachbarn dachten:

Gut. Jetzt wird es geklärt.

Ich dachte das übrigens auch.

Ich bin manchmal erschreckend optimistisch. 😂


🏢 Aber auch eine Etage höher wurde es nicht wirklich einfacher

Also gingen meine Nachbarn noch einen Schritt weiter.

Dorthin, wo man hingeht, wenn man denkt:

Jetzt braucht es jemanden, der das Ganze einmal von außen anschaut.

Die Kontrollfunktion.

Und was passierte?

Nun ja.

Sagen wir es so:

Mein Türchen steht immer noch an derselben Stelle.

Das Grundstück wartet immer noch.

Und wir diskutieren immer noch über denselben Nutzungsvertrag.


🤨 Und dann dieser eine Vorwurf …

Was meine Nachbarn besonders wundert:

Bei den verschiedenen Stellen schien man sich zumindest in einem Punkt erstaunlich einig zu sein:

Die Vorwürfe meiner Nachbarn würden so nicht den Tatsachen entsprechen.

Und besonders lösungsorientiert seien sie offenbar auch nicht.

Da musste ich kurz überlegen.

Denn meine Nachbarn hatten irgendwann sogar gesagt:

„Dann lasst den Glasfaserkasten eben stehen. Wir nehmen einfach eine andere Zufahrt.“

Also ich weiß ja nicht.

Für einen Kasten klingt das schon ziemlich lösungsorientiert. 😂

Immerhin bedeutete diese Lösung:

Ich darf bleiben.

Das fand ich persönlich natürlich hervorragend.

Ich hatte mich innerlich schon eingerichtet.

Vielleicht noch ein Blumentopf.

Ein kleines Schild.

Irgendwann eventuell WLAN. 😎

Aber inzwischen muss ich zugeben:

Wenn ich so sehe, was aus dieser Geschichte geworden ist, wäre es meinen Nachbarn vermutlich fast lieber, ich würde doch noch ein Stück weichen.

Keine Sorge.

Ich darf gerne in der Nähe bleiben.

Wir haben uns inzwischen schließlich aneinander gewöhnt.

Aber Tatsache ist nun einmal:

Ich stehe direkt vor der ursprünglich geplanten Zufahrt.

Das war ganz am Anfang das Problem.

Und erstaunlicherweise ist es das irgendwie immer noch.


📚 Und jetzt sind wir wieder am Anfang

Das ist der Punkt, den selbst ich langsam bemerkenswert finde.

Wir hatten:

ein ursprüngliches Missverständnis,

Nachfragen,

weitere Nachfragen,

E-Mails,

Stille,

noch mehr E-Mails,

noch mehr Stille,

eine Ortsbegehung,

einen angekündigten Nutzungsvertrag,

weitere Gespräche,

eine Gemeinderatssitzung,

einen Zeitungsartikel,

einen Besuch beim Bauamt,

noch mehr E-Mails,

eine Deadline,

und jetzt:

„Das wurde so nie gesagt.“

Ich glaube, wir sind inzwischen bei:

Band 6 – Das große Erinnerungsrätsel

Wenn das so weitergeht, brauche ich bald ein eigenes Bücherregal.

Und ich bin nicht einmal dafür gebaut. 😂


📰 Und dann denke ich wieder an den Zeitungsartikel

Denn dort wurde später öffentlich der Eindruck vermittelt:

Die Lösung ist gefunden.

Alles passt.

Man könne loslegen.

Meine Nachbarn dachten deshalb natürlich:

Gut.

Wenn das sogar öffentlich so dargestellt wird, dann wird das intern ja wohl ebenfalls geklärt sein.

Das Grundstück war schon ganz aufgeregt.

Ich war aufgeregt.

Frau Laterne natürlich nicht.

Die bleibt professionell.

Und dann hieß es beim Bauamt wieder:

Nein. So ist die Zufahrt nicht genehmigt.

Und jetzt heißt es zusätzlich:

Der Nutzungsvertrag sei so auch gar nicht innerhalb weniger Tage angekündigt worden.

Ich sage euch:

Ich brauche bald ein Whiteboard.

Mit Pfeilen.

Und vielleicht rote Schnüre wie in einem Krimi. 😂


😐 Dabei wäre die Lösung so einfach

Was würde denn passieren, wenn einfach einmal jemand sagen würde:

„Ja. Da ist etwas schiefgelaufen.“

Oder:

„Ja, das wurde damals so besprochen.“

Oder:

„Ja, es hat länger gedauert als angekündigt.“

Oder sogar:

„Entschuldigung.“

Ich glaube, nichts Schlimmes.

Die Erde würde sich weiterdrehen.

Das Bauamt würde weiterbestehen.

Der Gemeinderat würde weiterarbeiten.

Und ich würde weiter hier stehen.

Herumstehen.
Glasfaser beherbergen.
Wichtig aussehen.

Alles ganz normal.


💔 Und das Traurige daran

Aus einer ursprünglich kleinen Sache ist inzwischen ein Streit geworden.

Menschen, die früher ganz normal miteinander gesprochen haben, tun es teilweise nicht mehr.

Es gibt unterschiedliche Erinnerungen.

Es gibt Vorwürfe.

Es gibt immer neue Erklärungen.

Und irgendwann geht es gar nicht mehr nur darum:

Wie bekommen meine Nachbarn ihre Zufahrt?

Sondern plötzlich darum:

Wer hat wann was gesagt?

Wer erinnert sich richtig?

Wer hätte was tun müssen?

Und ich denke mir nur:

Vielleicht wäre eine Entschuldigung irgendwann wirklich billiger gewesen als diese ganze Serie. 😂


🧚 Und jetzt mal eine ganz einfache Frage: Wer soll eigentlich noch helfen?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bekomme sogar ich Bauchweh.

Und ich bin ein Kasten.

Ganz am Anfang war ein Problem.

Dann fragte man noch einmal nach.

Dann einen anderen Mitarbeiter.

Dann eine übergeordnete Stelle.

Dann die Kontrollfunktion.

Und wenn man all diese Wege gegangen ist und am Ende immer noch bei derselben Frage steht …

Wo geht man dann eigentlich hin?

Noch eine Etage höher?

Auf den Dachboden?

Zum Kirchturm?

Zur ISS? 🚀

Oder brauchen wir jetzt wirklich …

🧚 eine gute Fee?

Ich sehe sie schon vor mir.

Kleiner Zauberstab.

Glitzer.

Sie schwebt über dem Grundstück und fragt:

„Was wünschen Sie sich?“

Meine Nachbarn:

„Eine verbindliche schriftliche Aussage.“

Die Fee:

„Oh.“

Kurze Pause.

„Haben Sie vielleicht noch einen einfacheren Wunsch?“ 😂

Vielleicht ein Einhorn.

Vielleicht Weltfrieden.

Vielleicht dass Frau Laterne endlich mal etwas sagt.


🏰 Und so stehen wir wieder ganz am Anfang

Nach Monaten.

Nach Gesprächen.

Nach E-Mails.

Nach Stille.

Nach noch mehr Stille.

Nach verschiedenen Stellen.

Nach unterschiedlichen Aussagen.

Nach Ortsbegehung.

Nach Gemeinderat.

Nach Presse.

Nach Deadline.

Und nach erstaunlich vielen Menschen, die inzwischen mit dieser Geschichte zu tun hatten.

Stehen meine Nachbarn im Grunde wieder bei derselben Frage wie ganz am Anfang:

Was müssen wir eigentlich tun, damit wir endlich auf unser Grundstück fahren dürfen?

Und ich als Kummerkasten frage inzwischen nur noch:

Wer kann jetzt eigentlich noch helfen?

Falls irgendwo eine gute Fee frei ist:

Bitte nach Dachsbach schicken.

Sie sollte allerdings belastbar sein.

Einen langen Atem haben.

Mit Schweigen umgehen können.

Und vielleicht einen eigenen Kugelschreiber mitbringen.

Man weiß ja nie. 😂

Bis dahin mache ich weiter wie bisher:

Herumstehen.
Zuhören.
Mich wundern.
Und auf ein schriftliches Happy End warten.

Fortsetzung folgt …

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Wer kann denn jetzt noch helfen?

🏰 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Der sagenumwobene Nutzungsvertrag

Halli hallo, ich bin’s wieder. 👋

Euer Dachsbacher Kummerkasten.

Ich dachte ja wirklich, heute würde ein guter Tag werden.

In den vergangenen Tagen klang nämlich plötzlich alles ganz einfach.

Öffentlich wurde sinngemäß gesagt:

„Wo ist eigentlich das Problem? Man kann doch einfach anfangen.“

Und auch in der Zeitung war bereits zu lesen, dass für die Zufahrt eine Lösung gefunden worden sei.

Für meine Nachbarn war deshalb ziemlich klar:

Dann wissen doch inzwischen vermutlich alle Beteiligten Bescheid.

Außerdem erinnerten sie sich sehr genau an die Ortsbegehung im Juni.

Und weil meine Nachbarn inzwischen gelernt hatten, dass in meiner Geschichte manchmal verschiedene Erinnerungen nebeneinander existieren, hatten sie damals vorsichtshalber sogar Zeugen mitgenommen.

Nicht, weil sie Streit suchten.

Sondern ganz im Gegenteil:

Damit hinterher möglichst klar ist, was besprochen wurde und wie die Lösung umgesetzt werden soll.

Bei dieser Begehung war ihnen nach ihrer Erinnerung erklärt worden, dass für das kleine Stück Gemeindeweg, das für die Zufahrt überfahren werden müsste, noch ein Nutzungsvertrag nötig sei.

Damit beide Seiten abgesichert sind.

Klingt vernünftig.

Ein Vertrag.

Ein kleines Stück Fläche.

Ein paar Unterschriften.

Fertig.

So stellte ich mir das jedenfalls vor.

Ich bin aber auch nur ein Kasten. 😂


📄 Also dachten meine Nachbarn: Jetzt fehlt nur noch dieses eine Stück Papier

Die Lösung war gefunden.

Sie war vor Zeugen besprochen worden.

Sie war öffentlich bestätigt worden.

In der Zeitung war darüber berichtet worden.

Und mehrere Gemeinderäte hatten zugesagt, noch einmal nachzufragen und sich dafür einzusetzen, dass diese Geschichte endlich zu einem guten Ende kommt.

Also dachten meine Nachbarn:

Perfekt. Jetzt fehlt nur noch der Nutzungsvertrag.

Und weil sie jetzt in den Urlaub fahren, wollten sie das vorher noch ordentlich erledigen.

Kein neues Verfahren.

Keine neue Grundsatzdiskussion.

Keine neue Überraschung.

Einfach:

Nutzungsvertrag holen.
Unterschreiben.
Urlaub fahren.

Klingt einfach.

Ich hätte inzwischen wissen müssen, dass „einfach“ in meiner Geschichte ein ziemlich gefährliches Wort ist. 😂


🏛️ Also: auf zur zuständigen Stelle

Meine Nachbarn machten sich heute auf den Weg.

Mit einem ausgesprochen überschaubaren Anliegen:

„Wir möchten bitte den angekündigten Nutzungsvertrag.“

Mehr eigentlich nicht.

Kein Streit.

Keine neue Diskussion.

Keine Frage mehr, ob die Zufahrt grundsätzlich möglich ist.

Denn genau davon waren sie ja ausgegangen.

Schließlich war öffentlich gesagt worden:

Man könne doch einfach anfangen.

Und wenn das öffentlich so kommuniziert wird, dann liegt für einen einfachen Glasfaserkasten wie mich doch der Gedanke nahe:

Dann wissen vermutlich auch die Beteiligten vor Ort Bescheid.

Dachte ich.

Dachten meine Nachbarn.

Das Grundstück dachte es übrigens auch.

Wir waren uns selten so einig.


😳 Und dann kam die Überraschung

Statt des Nutzungsvertrags bekamen meine Nachbarn sinngemäß wieder zu hören:

Die Zufahrt ist nicht genehmigt.

Das Grundstück hinter mir war kurz sprachlos.

Ich übrigens auch.

Gut.

Ich bin grundsätzlich sprachlos.

Aber ihr wisst, was ich meine.

Das Grundstück schaute mich an.

Ich schaute das Grundstück an.

Dann sagte es:

„Moment mal … ich dachte, ich darf jetzt Zufahrt werden?“

Ich sagte:

„Das dachte ich auch.“

Dann schwiegen wir beide.

Frau Laterne selbstverständlich ebenfalls.

Auf die ist wirklich Verlass.


📚 Offenbar lesen wir gerade verschiedene Bücher

Ich habe inzwischen den Verdacht, dass es von unserer Geschichte mehrere Ausgaben gibt.

Ausgabe A:
Die Zufahrt kann gemacht werden.

Ausgabe B:
Dafür braucht es noch einen Nutzungsvertrag.

Ausgabe C:
Eigentlich ist doch alles erledigt.

Ausgabe D:
Die Zufahrt ist nicht genehmigt.

Meine Nachbarn hatten heute offenbar Ausgabe A, B und C dabei.

Vor Ort lag wohl noch Ausgabe D aufgeschlagen.

Und jetzt verstehe ich endlich, warum Verwaltung manchmal so kompliziert wirkt:

Es lesen einfach nicht alle dasselbe Buch. 📚😂


🤷 Ich als Kasten verstehe das mit der Kommunikation sowieso nicht

Ich bin wirklich kein Experte.

Aber ich weiß, wie es bei mir funktioniert.

Irgendjemand hat irgendwann gesagt:

„Der Kasten kommt genau dahin.“

Und was ist passiert?

Zack.

Da stand ich.

Fundament.
Kabel.
Türchen.
Fertig.

Das war beeindruckend effizient.

Niemand hat mir später gesagt:

„Ach übrigens, eigentlich solltest du dort gar nicht stehen.“

Nein.

Wenn mein Auftrag lautet:

„Stehen.“

Dann stehe ich.

Sehr gewissenhaft sogar.

Vielleicht sollten wichtige Informationen künftig ebenfalls auf ein Betonfundament geschraubt werden.

Das scheint hier erstaunlich zuverlässig zu funktionieren. 😂


📄 Und wo steckt jetzt eigentlich dieser Nutzungsvertrag?

Langsam mache ich mir Sorgen um ihn.

Ehrlich.

Vielleicht ist er verloren gegangen.

Vielleicht hat er Urlaub.

Vielleicht liegt er in einer Schublade und traut sich nicht heraus.

Vielleicht ist er gerade auf Wanderschaft zwischen zwei Schreibtischen.

Oder vielleicht steht auch er vor einer ungenehmigten Zufahrt und kommt deshalb nicht weiter.

Das wäre natürlich tragisch.

Deshalb möchte ich mich heute direkt an ihn wenden:

Lieber Nutzungsvertrag,

falls du das hier liest:

Bitte melde dich.

Meine Nachbarn suchen dich.

Das Grundstück sucht dich.

Ich suche dich mittlerweile auch.

Und ich verspreche:

Wir sind wirklich nett zu dir.

Du bekommst sogar einen schönen Ordner.

Vielleicht einen mit Klarsichthülle.

Und du musst auch nicht neben Frau Laterne wohnen.

Komm einfach raus. 😂


📰 Dann kam noch mein persönlicher Schock des Tages

Ich gebe zu:

Seit meinem Zeitungsauftritt war ich ein bisschen selbstbewusster geworden.

Vielleicht sogar ein kleines bisschen eingebildet.

Ich dachte wirklich:

„Jetzt kennt mich jeder.“ 😎

Schließlich schafft es nicht jeder graue Glasfaserkasten in die Zeitung.

Ich sah mich innerlich schon als kleine lokale Berühmtheit.

Vielleicht würden die Leute im Vorbeifahren sagen:

„Schau mal! Da steht er! Der Kummerkasten!“

Vielleicht würde Frau Laterne endlich ein bisschen Respekt zeigen.

Vielleicht würde mein kleiner grauer Nachbar anfangen, sich für seinen nächsten Fototermin etwas hübscher zu machen.

Vielleicht irgendwann eine kleine Gedenktafel:

„Hier stand der berühmte Dachsbacher Kummerkasten.“

Und dann erfahre ich heute:

Der Zeitungsartikel war dort offenbar gar nicht gelesen worden.

😳

Bitte was?

Da stehe ich monatelang herum.

Ich bringe ein Grundstück zur Verzweiflung.

Ich schaffe es in die Zeitung.

Ich werde zum Hauptdarsteller eines Märchens.

Und dann:

Nichts.

Kein:

„Ach, SIE sind das!“

Kein Foto.

Kein Autogrammwunsch.

Nicht einmal ein kleines:

„Sie sehen in echt größer aus.“

Das Grundstück hinter mir sagte nur trocken:

„Jetzt komm mal wieder runter.“

Seitdem bin ich wieder etwas bescheidener.

Aber wirklich nur etwas. 😎


🌡️ Und irgendwann wurde die Betriebstemperatur etwas höher

Meine Nachbarn waren heute eigentlich nur gekommen, um nachzufragen, ob der angekündigte Nutzungsvertrag inzwischen fertig ist.

Das Gespräch entwickelte sich nach ihrer Wahrnehmung allerdings zunehmend unangenehm.

Der Ton wurde schärfer.

Und irgendwann wurden meine Nachbarn ebenfalls lauter.

Nicht ideal.

Aber nach all den unterschiedlichen Aussagen, der bereits bekannten schriftlichen Ablehnung, den späteren Gesprächen über die alternative Lösung, der Ortsbegehung mit Zeugen, den Aussagen der vergangenen Tage und dem Zeitungsartikel war die Geduld offenbar irgendwann aufgebraucht.

Das Gespräch endete jedenfalls nicht mit:

einem Nutzungsvertrag.

Sondern damit, dass meine Nachbarn das Gebäude ziemlich wütend wieder verließen.

Als sie wieder bei mir ankamen, fragte ich vorsichtig:

„Und? Habt ihr ihn?“

Sie schauten mich an.

Ich fragte:

„Den Nutzungsvertrag?“

Sie schauten mich immer noch an.

Ich sagte:

„Okay. Dumme Frage.“

Danach habe ich mich einfach wieder meiner Kernkompetenz gewidmet.

Herumstehen.


☕ Und so entstand der Vespergedanke

Inzwischen überlegen meine Nachbarn, ob sie das Ganze möglicherweise vollkommen falsch angehen.

Vielleicht braucht man für einen Nutzungsvertrag gar keine weiteren Schreiben.

Keine Telefonate.

Keine Diskussionen.

Vielleicht braucht man einfach:

eine Thermoskanne Kaffee ☕
ein ordentliches Vesper 🥪
und sehr, sehr viel Geduld.

Die aktuelle Idee lautet deshalb:

Ab Donnerstag einfach bei der zuständigen Stelle Platz nehmen.

Ganz friedlich.

Ganz freundlich.

Nicht diskutieren.

Nicht schimpfen.

Einfach sitzen.

Kaffee trinken.

Vespern.

Warten.

Und gelegentlich fragen:

„Ist unser Nutzungsvertrag schon fertig?“

Falls nicht:

☕

Noch einen Kaffee.

Etwas später:

„Und jetzt?“

🥪

Noch ein Brot.

Vielleicht noch ein Apfel.

Man soll sich schließlich ausgewogen ernähren, wenn man länger wartet.


😂 Ich persönlich halte diese Strategie für hervorragend

Denn schließlich besteht meine gesamte berufliche Erfahrung mittlerweile aus:

Herumstehen.
Warten.
Und nicht weggehen.

Ich könnte meinen Nachbarn problemlos einen Kurs geben.

Vielleicht sogar mit Zertifikat:

„Professionelles Warten für Fortgeschrittene“

Modul 1:

Ruhiges Sitzen trotz innerer Unruhe.

Modul 2:

Kaffee sinnvoll einteilen.

Modul 3:

Wie frage ich zum siebten Mal freundlich nach demselben Stück Papier?

Modul 4:

Vespermanagement bei unklarer Aufenthaltsdauer.

Ich glaube, dafür gäbe es sogar einen Markt. 😂


📄 Was wir inzwischen wirklich gerne hätten

Eigentlich gar nicht viel.

Keine neue mündliche Version.

Keine neue Interpretation.

Keine fünfte Ausgabe unseres Verwaltungsromans.

Sondern einfach etwas, das man in die Hand nehmen kann.

Etwas, das nicht am nächsten Tag plötzlich eine andere Meinung hat.

Ein schriftliches Happy End. 📄🏰

Damit das Grundstück endlich weiß:

„Ja. Ich darf Zufahrt werden.“

Damit das Carport irgendwann sagen kann:

„Juhu! Ich bin ein Carport!“

Damit die Kundinnen und Kunden irgendwann sagen können:

„Juhu! Ein Parkplatz!“ 🚗

Und damit ich endlich wieder meinem ursprünglichen Beruf nachgehen kann:

Herumstehen.
Glasfaser beherbergen.
Wichtig aussehen.

Und vielleicht ein kleines bisschen berühmt sein.

Auch wenn ich heute lernen musste:

Ruhm ist offenbar vergänglich.

Der Nutzungsvertrag allerdings erstaunlich schwer auffindbar. 😂


🆘 Und wer hilft uns jetzt beim Happy End?

Das ist inzwischen wirklich die große Frage.

Eine gute Fee? 🧚

Ein sprechender Bauplan?

Ein Gemeindeschreiber mit Zauberfeder?

Ein Nutzungsvertrag, der sich endlich aus seinem Versteck traut?

Oder vielleicht einfach jemand, der verbindlich sagen kann:

Was gilt denn nun eigentlich?

Falls jemand den Nutzungsvertrag sieht:

Bitte Richtung Dachsbach schicken.

Wir warten schon.

Bis dahin bleibe ich selbstverständlich an meinem Platz.

Herumstehen.
Warten.
Wichtig aussehen.

Fortsetzung folgt …

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

PS: Falls meine Nachbarn am Donnerstag wirklich mit Kaffee und Vesper losziehen: Bitte ausreichend Proviant einpacken. Ich habe in dieser Geschichte gelernt, dass „gleich“ ein sehr dehnbarer Begriff sein kann. 😂