Wer kann denn jetzt noch helfen?

🏰 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Der sagenumwobene Nutzungsvertrag

Halli hallo, ich bin’s wieder. 👋

Euer Dachsbacher Kummerkasten.

Ich dachte ja wirklich, heute würde ein guter Tag werden.

In den vergangenen Tagen klang nämlich plötzlich alles ganz einfach.

Öffentlich wurde sinngemäß gesagt:

„Wo ist eigentlich das Problem? Man kann doch einfach anfangen.“

Und auch in der Zeitung war bereits zu lesen, dass für die Zufahrt eine Lösung gefunden worden sei.

Für meine Nachbarn war deshalb ziemlich klar:

Dann wissen doch inzwischen vermutlich alle Beteiligten Bescheid.

Außerdem erinnerten sie sich sehr genau an die Ortsbegehung im Juni.

Und weil meine Nachbarn inzwischen gelernt hatten, dass in meiner Geschichte manchmal verschiedene Erinnerungen nebeneinander existieren, hatten sie damals vorsichtshalber sogar Zeugen mitgenommen.

Nicht, weil sie Streit suchten.

Sondern ganz im Gegenteil:

Damit hinterher möglichst klar ist, was besprochen wurde und wie die Lösung umgesetzt werden soll.

Bei dieser Begehung war ihnen nach ihrer Erinnerung erklärt worden, dass für das kleine Stück Gemeindeweg, das für die Zufahrt überfahren werden müsste, noch ein Nutzungsvertrag nötig sei.

Damit beide Seiten abgesichert sind.

Klingt vernünftig.

Ein Vertrag.

Ein kleines Stück Fläche.

Ein paar Unterschriften.

Fertig.

So stellte ich mir das jedenfalls vor.

Ich bin aber auch nur ein Kasten. 😂


📄 Also dachten meine Nachbarn: Jetzt fehlt nur noch dieses eine Stück Papier

Die Lösung war gefunden.

Sie war vor Zeugen besprochen worden.

Sie war öffentlich bestätigt worden.

In der Zeitung war darüber berichtet worden.

Und mehrere Gemeinderäte hatten zugesagt, noch einmal nachzufragen und sich dafür einzusetzen, dass diese Geschichte endlich zu einem guten Ende kommt.

Also dachten meine Nachbarn:

Perfekt. Jetzt fehlt nur noch der Nutzungsvertrag.

Und weil sie jetzt in den Urlaub fahren, wollten sie das vorher noch ordentlich erledigen.

Kein neues Verfahren.

Keine neue Grundsatzdiskussion.

Keine neue Überraschung.

Einfach:

Nutzungsvertrag holen.
Unterschreiben.
Urlaub fahren.

Klingt einfach.

Ich hätte inzwischen wissen müssen, dass „einfach“ in meiner Geschichte ein ziemlich gefährliches Wort ist. 😂


🏛️ Also: auf zur zuständigen Stelle

Meine Nachbarn machten sich heute auf den Weg.

Mit einem ausgesprochen überschaubaren Anliegen:

„Wir möchten bitte den angekündigten Nutzungsvertrag.“

Mehr eigentlich nicht.

Kein Streit.

Keine neue Diskussion.

Keine Frage mehr, ob die Zufahrt grundsätzlich möglich ist.

Denn genau davon waren sie ja ausgegangen.

Schließlich war öffentlich gesagt worden:

Man könne doch einfach anfangen.

Und wenn das öffentlich so kommuniziert wird, dann liegt für einen einfachen Glasfaserkasten wie mich doch der Gedanke nahe:

Dann wissen vermutlich auch die Beteiligten vor Ort Bescheid.

Dachte ich.

Dachten meine Nachbarn.

Das Grundstück dachte es übrigens auch.

Wir waren uns selten so einig.


😳 Und dann kam die Überraschung

Statt des Nutzungsvertrags bekamen meine Nachbarn sinngemäß wieder zu hören:

Die Zufahrt ist nicht genehmigt.

Das Grundstück hinter mir war kurz sprachlos.

Ich übrigens auch.

Gut.

Ich bin grundsätzlich sprachlos.

Aber ihr wisst, was ich meine.

Das Grundstück schaute mich an.

Ich schaute das Grundstück an.

Dann sagte es:

„Moment mal … ich dachte, ich darf jetzt Zufahrt werden?“

Ich sagte:

„Das dachte ich auch.“

Dann schwiegen wir beide.

Frau Laterne selbstverständlich ebenfalls.

Auf die ist wirklich Verlass.


📚 Offenbar lesen wir gerade verschiedene Bücher

Ich habe inzwischen den Verdacht, dass es von unserer Geschichte mehrere Ausgaben gibt.

Ausgabe A:
Die Zufahrt kann gemacht werden.

Ausgabe B:
Dafür braucht es noch einen Nutzungsvertrag.

Ausgabe C:
Eigentlich ist doch alles erledigt.

Ausgabe D:
Die Zufahrt ist nicht genehmigt.

Meine Nachbarn hatten heute offenbar Ausgabe A, B und C dabei.

Vor Ort lag wohl noch Ausgabe D aufgeschlagen.

Und jetzt verstehe ich endlich, warum Verwaltung manchmal so kompliziert wirkt:

Es lesen einfach nicht alle dasselbe Buch. 📚😂


🤷 Ich als Kasten verstehe das mit der Kommunikation sowieso nicht

Ich bin wirklich kein Experte.

Aber ich weiß, wie es bei mir funktioniert.

Irgendjemand hat irgendwann gesagt:

„Der Kasten kommt genau dahin.“

Und was ist passiert?

Zack.

Da stand ich.

Fundament.
Kabel.
Türchen.
Fertig.

Das war beeindruckend effizient.

Niemand hat mir später gesagt:

„Ach übrigens, eigentlich solltest du dort gar nicht stehen.“

Nein.

Wenn mein Auftrag lautet:

„Stehen.“

Dann stehe ich.

Sehr gewissenhaft sogar.

Vielleicht sollten wichtige Informationen künftig ebenfalls auf ein Betonfundament geschraubt werden.

Das scheint hier erstaunlich zuverlässig zu funktionieren. 😂


📄 Und wo steckt jetzt eigentlich dieser Nutzungsvertrag?

Langsam mache ich mir Sorgen um ihn.

Ehrlich.

Vielleicht ist er verloren gegangen.

Vielleicht hat er Urlaub.

Vielleicht liegt er in einer Schublade und traut sich nicht heraus.

Vielleicht ist er gerade auf Wanderschaft zwischen zwei Schreibtischen.

Oder vielleicht steht auch er vor einer ungenehmigten Zufahrt und kommt deshalb nicht weiter.

Das wäre natürlich tragisch.

Deshalb möchte ich mich heute direkt an ihn wenden:

Lieber Nutzungsvertrag,

falls du das hier liest:

Bitte melde dich.

Meine Nachbarn suchen dich.

Das Grundstück sucht dich.

Ich suche dich mittlerweile auch.

Und ich verspreche:

Wir sind wirklich nett zu dir.

Du bekommst sogar einen schönen Ordner.

Vielleicht einen mit Klarsichthülle.

Und du musst auch nicht neben Frau Laterne wohnen.

Komm einfach raus. 😂


📰 Dann kam noch mein persönlicher Schock des Tages

Ich gebe zu:

Seit meinem Zeitungsauftritt war ich ein bisschen selbstbewusster geworden.

Vielleicht sogar ein kleines bisschen eingebildet.

Ich dachte wirklich:

„Jetzt kennt mich jeder.“ 😎

Schließlich schafft es nicht jeder graue Glasfaserkasten in die Zeitung.

Ich sah mich innerlich schon als kleine lokale Berühmtheit.

Vielleicht würden die Leute im Vorbeifahren sagen:

„Schau mal! Da steht er! Der Kummerkasten!“

Vielleicht würde Frau Laterne endlich ein bisschen Respekt zeigen.

Vielleicht würde mein kleiner grauer Nachbar anfangen, sich für seinen nächsten Fototermin etwas hübscher zu machen.

Vielleicht irgendwann eine kleine Gedenktafel:

„Hier stand der berühmte Dachsbacher Kummerkasten.“

Und dann erfahre ich heute:

Der Zeitungsartikel war dort offenbar gar nicht gelesen worden.

😳

Bitte was?

Da stehe ich monatelang herum.

Ich bringe ein Grundstück zur Verzweiflung.

Ich schaffe es in die Zeitung.

Ich werde zum Hauptdarsteller eines Märchens.

Und dann:

Nichts.

Kein:

„Ach, SIE sind das!“

Kein Foto.

Kein Autogrammwunsch.

Nicht einmal ein kleines:

„Sie sehen in echt größer aus.“

Das Grundstück hinter mir sagte nur trocken:

„Jetzt komm mal wieder runter.“

Seitdem bin ich wieder etwas bescheidener.

Aber wirklich nur etwas. 😎


🌡️ Und irgendwann wurde die Betriebstemperatur etwas höher

Meine Nachbarn waren heute eigentlich nur gekommen, um nachzufragen, ob der angekündigte Nutzungsvertrag inzwischen fertig ist.

Das Gespräch entwickelte sich nach ihrer Wahrnehmung allerdings zunehmend unangenehm.

Der Ton wurde schärfer.

Und irgendwann wurden meine Nachbarn ebenfalls lauter.

Nicht ideal.

Aber nach all den unterschiedlichen Aussagen, der bereits bekannten schriftlichen Ablehnung, den späteren Gesprächen über die alternative Lösung, der Ortsbegehung mit Zeugen, den Aussagen der vergangenen Tage und dem Zeitungsartikel war die Geduld offenbar irgendwann aufgebraucht.

Das Gespräch endete jedenfalls nicht mit:

einem Nutzungsvertrag.

Sondern damit, dass meine Nachbarn das Gebäude ziemlich wütend wieder verließen.

Als sie wieder bei mir ankamen, fragte ich vorsichtig:

„Und? Habt ihr ihn?“

Sie schauten mich an.

Ich fragte:

„Den Nutzungsvertrag?“

Sie schauten mich immer noch an.

Ich sagte:

„Okay. Dumme Frage.“

Danach habe ich mich einfach wieder meiner Kernkompetenz gewidmet.

Herumstehen.


☕ Und so entstand der Vespergedanke

Inzwischen überlegen meine Nachbarn, ob sie das Ganze möglicherweise vollkommen falsch angehen.

Vielleicht braucht man für einen Nutzungsvertrag gar keine weiteren Schreiben.

Keine Telefonate.

Keine Diskussionen.

Vielleicht braucht man einfach:

eine Thermoskanne Kaffee ☕
ein ordentliches Vesper 🥪
und sehr, sehr viel Geduld.

Die aktuelle Idee lautet deshalb:

Ab Donnerstag einfach bei der zuständigen Stelle Platz nehmen.

Ganz friedlich.

Ganz freundlich.

Nicht diskutieren.

Nicht schimpfen.

Einfach sitzen.

Kaffee trinken.

Vespern.

Warten.

Und gelegentlich fragen:

„Ist unser Nutzungsvertrag schon fertig?“

Falls nicht:

☕

Noch einen Kaffee.

Etwas später:

„Und jetzt?“

🥪

Noch ein Brot.

Vielleicht noch ein Apfel.

Man soll sich schließlich ausgewogen ernähren, wenn man länger wartet.


😂 Ich persönlich halte diese Strategie für hervorragend

Denn schließlich besteht meine gesamte berufliche Erfahrung mittlerweile aus:

Herumstehen.
Warten.
Und nicht weggehen.

Ich könnte meinen Nachbarn problemlos einen Kurs geben.

Vielleicht sogar mit Zertifikat:

„Professionelles Warten für Fortgeschrittene“

Modul 1:

Ruhiges Sitzen trotz innerer Unruhe.

Modul 2:

Kaffee sinnvoll einteilen.

Modul 3:

Wie frage ich zum siebten Mal freundlich nach demselben Stück Papier?

Modul 4:

Vespermanagement bei unklarer Aufenthaltsdauer.

Ich glaube, dafür gäbe es sogar einen Markt. 😂


📄 Was wir inzwischen wirklich gerne hätten

Eigentlich gar nicht viel.

Keine neue mündliche Version.

Keine neue Interpretation.

Keine fünfte Ausgabe unseres Verwaltungsromans.

Sondern einfach etwas, das man in die Hand nehmen kann.

Etwas, das nicht am nächsten Tag plötzlich eine andere Meinung hat.

Ein schriftliches Happy End. 📄🏰

Damit das Grundstück endlich weiß:

„Ja. Ich darf Zufahrt werden.“

Damit das Carport irgendwann sagen kann:

„Juhu! Ich bin ein Carport!“

Damit die Kundinnen und Kunden irgendwann sagen können:

„Juhu! Ein Parkplatz!“ 🚗

Und damit ich endlich wieder meinem ursprünglichen Beruf nachgehen kann:

Herumstehen.
Glasfaser beherbergen.
Wichtig aussehen.

Und vielleicht ein kleines bisschen berühmt sein.

Auch wenn ich heute lernen musste:

Ruhm ist offenbar vergänglich.

Der Nutzungsvertrag allerdings erstaunlich schwer auffindbar. 😂


🆘 Und wer hilft uns jetzt beim Happy End?

Das ist inzwischen wirklich die große Frage.

Eine gute Fee? 🧚

Ein sprechender Bauplan?

Ein Gemeindeschreiber mit Zauberfeder?

Ein Nutzungsvertrag, der sich endlich aus seinem Versteck traut?

Oder vielleicht einfach jemand, der verbindlich sagen kann:

Was gilt denn nun eigentlich?

Falls jemand den Nutzungsvertrag sieht:

Bitte Richtung Dachsbach schicken.

Wir warten schon.

Bis dahin bleibe ich selbstverständlich an meinem Platz.

Herumstehen.
Warten.
Wichtig aussehen.

Fortsetzung folgt …

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

PS: Falls meine Nachbarn am Donnerstag wirklich mit Kaffee und Vesper losziehen: Bitte ausreichend Proviant einpacken. Ich habe in dieser Geschichte gelernt, dass „gleich“ ein sehr dehnbarer Begriff sein kann. 😂

Ich freu mich über Ihr Feedback!