Wessen Erinnerung eigentlich?

💥 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten

Wessen Erinnerung eigentlich?

Heute habe ich eine neue Lieblingsfrage.

Nicht:

Wo ist der Nutzungsvertrag?

Nicht:

Was brauchen meine Nachbarn noch?

Sondern:

Wessen Erinnerungsfähigkeit lässt eigentlich im Alter nach? 😳

Denn genau darauf läuft die neueste E-Mail hinaus.


Mein Nachbar hatte – zugegeben ziemlich verärgert – noch einmal geschrieben.

Mit einer Spitze.

Sinngemäß:

Ihm werde langsam bewusst, dass sich der zuständige Mitarbeiter offenbar weder an frühere Aussagen noch an die Ortsbegehung im Juni so erinnert wie meine Nachbarn und die Menschen, die damals dabei waren.

Kann man freundlicher schreiben.

Ganz sicher.

Aber nach Monaten vielleicht auch nachvollziehbar.

Und darauf kam dann diese Antwort:

„Das mit der Erinnerungsfähigkeit lässt offensichtlich im Alter nach.“

Mehr nicht.


Ich habe den Satz jetzt mehrfach gelesen.

Und ich weiß es immer noch nicht.

Wer ist gemeint?

Mein Nachbar?

Der Absender selbst?

Die Zeugen?

Menschen aus dem Gemeinderat, die offenbar davon ausgingen, die Sache sei längst erledigt?

Oder gleich alle zusammen?

Vielleicht ist es eine allgemeine medizinische Feststellung.

Ich bin kein Arzt.
Ich bin ein Glasfaserkasten. 😂


Meine Nachbarn hatten jedenfalls sofort das Gefühl:

Das ging gegen uns.

Ob es tatsächlich so gemeint war, kann ich natürlich nicht wissen.

Aber genau das ist ja das Problem:

Der Satz erklärt es nicht.

Er beantwortet nichts.

Und er lässt sehr viel Raum für Interpretation.


Man hätte zum Beispiel schreiben können:

„Damit meine ich Ihre Erinnerung.“

Dann wäre wenigstens klar gewesen, worüber man sich gerade streitet.

Oder:

„Damit meine ich meine eigene.“

Das wäre überraschend selbstkritisch gewesen. 😂

Oder:

„Wir erinnern uns offenbar unterschiedlich.“

Das wäre wahrscheinlich sogar die vernünftigste Variante gewesen.

Aber nein.

Wir bekommen:

„Das mit der Erinnerungsfähigkeit lässt offensichtlich im Alter nach.“

Und dürfen jetzt selber herausfinden, wer gemeint war.


Ich glaube, wir brauchen mittlerweile neben dem Nutzungsvertrag noch etwas Zweites:

einen Übersetzer.

Deutsch → Verwaltung.

Verwaltung → Bürger.

Und neuerdings:

Andeutung → Wer war eigentlich gemeint?

😂


Und genau da liegt für mich das eigentlich Verrückte.

Meine Nachbarn fragen seit Monaten immer wieder nach konkreten Dingen:

Was gilt jetzt?

Was fehlt noch?

Ist nach der Nutzungsvereinbarung wirklich alles erledigt?

Darauf könnte man antworten.

Ganz nüchtern.

Ganz sachlich.

Stattdessen diskutieren wir plötzlich darüber, wessen Gedächtnis möglicherweise altersbedingt nachlässt.

Das war bei der ursprünglichen Planung übrigens nicht vorgesehen. 😄


Und ja:

Meine Nachbarn empfinden diesen Satz als persönliche Spitze.

Ob er tatsächlich so gemeint war, weiß ich nicht.

Aber wenn man einen Satz so formuliert, muss man sich zumindest nicht wundern, wenn der Empfänger denkt:

„Äh … meinst du jetzt mich?“ 😳


Vielleicht wäre es irgendwann wirklich einfacher, wenn jemand sagt:

„Wir erinnern uns unterschiedlich. Lassen wir das so stehen. Jetzt klären wir die Sache abschließend.“

Keine Spitze.

Keine Gegen-Spitze.

Keine Gedächtnisdiagnostik.

Einfach: Lösung.


Aber gut.

Heute habe ich wieder etwas gelernt:

Mit der Erinnerungsfähigkeit ist das offenbar so eine Sache.
Mit der Eindeutigkeit eines Satzes auch.

😂

Und bevor hier noch jemand fragt, ob auch meine Erinnerungsfähigkeit nachlässt:

Keine Sorge.

Ich erinnere mich ziemlich gut daran, dass ich immer noch hier stehe.

Und der Nutzungsvertrag noch immer nicht bei mir vorbeigekommen ist.

Was die ganzen Unterstellungen angeht …

dazu kommen wir in der nächsten Geschichte. 😇

Bis dahin:

Herumstehen.
Glasfaser beherbergen.
Zwischen den Zeilen lesen.
Und möglichst langsam altern.

Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

Ich freu mich über Ihr Feedback!