💡 Neues vom Dachsbacher Kummerkasten
Frau Laterne hat auch noch eine Geschichte …
Der Kleine und ich standen noch ganz friedlich nebeneinander.
Gerade frisch befreundet.
Gerade beschlossen, nicht zu explodieren.
Da räusperte sich plötzlich Frau Laterne.
😳
Ihr wisst ja:
Frau Laterne spricht selten.
Aber wenn sie spricht, wird es meistens interessant.
Sie sagte:
Da wäre noch der Kinderspielplatz.“
Ich sah sie an.
Der Kleine sah sie an.
Und irgendwo raschelte schon wieder mein innerer Kummerkasten.
🌱 Der Spielplatz
Meine Nachbarin hatte sich nämlich schon mehrfach wegen des Kinderspielplatzes an die Gemeinde gewandt.
Nicht nur sie.
Auch andere Bürgerinnen und Bürger hatten offenbar immer wieder etwas angesprochen.
Nach ihrer Wahrnehmung wurde dort nur sehr selten gemäht.
Teilweise stand das Gras so hoch, dass kleine Kinder darin fast verschwanden.
Praktisch.
Dann braucht man wenigstens keine Hüpfburg mehr.
😂
Auch der Zaun war irgendwann in einem Zustand, bei dem sich die Frage stellte:
Braucht man eigentlich noch ein Törchen …
… wenn die Kinder bequem durch die Löcher im Zaun passen?
😳
Ein neues Törchen war wohl bereits angeschafft.
Nur eingebaut war es noch nicht.
Der Kleine flüsterte:
Ich musste lachen.
Frau Laterne nicht.
Sie hat mehr Haltung.
🪵 Sitzgelegenheiten und Sandkasten
Auch die Sitzgelegenheiten waren nach Wahrnehmung meiner Nachbarin irgendwann so heruntergekommen, dass man beim Hinsetzen aufpassen musste, keine Spreißel mitzunehmen.
Kostenloses Andenken vom Spielplatz.
Sehr nachhaltig.
😂
Und der Sandkasten?
Nun ja.
Der Sandkasten war irgendwann eher:
Betonkasten mit Restkies.
Nach Erinnerung meiner Nachbarin war bereits im Juni 2024 der Betonboden sichtbar.
Auch später, wenn sie mit ihren Enkelinnen dort war, änderte sich daran nach ihrer Wahrnehmung nichts Wesentliches.
Der „Sand“ bestand eher aus grobem Material.
Buddelburg?
Schwierig.
Betonmischung?
Schon eher.
😂
📸 Also machte meine Nachbarin irgendwann Fotos
Nicht aus Langeweile.
Sondern weil sie zeigen wollte, was sie meinte.
Hoher Bewuchs.
Der Zustand des Zauns.
Der Sandkasten.
Die Sitzgelegenheiten.
Alles Dinge, auf die sie bereits hingewiesen hatte.
Und auf diese Hinweise beziehungsweise die Dokumentation kam sinngemäß eine Rückmeldung in Richtung:
Man möge die eigenen Aussagen bitte erst einmal auf ihre Richtigkeit prüfen.
😳
Ich musste kurz nachfragen:
Frau Laterne:
„So ungefähr.“
Der Kleine:
„Oh.“
Denn aus Sicht meiner Nachbarin fühlte sich das natürlich an wie:
„Vielleicht stimmt das ja alles gar nicht.“
Und genau das hat sie ziemlich getroffen.
Nicht, weil man unterschiedlicher Meinung sein darf.
Sondern weil sie sich ja gerade deshalb meldete, weil sie wollte, dass Dinge besser werden.
👀 Und dann kam die Vor-Ort-Begehung
Das Interessante ist:
Der Spielplatz liegt direkt gegenüber von meinen Nachbarn.
Und als dort später eine Vor-Ort-Begehung stattfand, ging es eigentlich um etwas ganz anderes:
um die Zufahrt zum Grundstück.
Also um mich.
Na ja.
Genau genommen darum, wie man trotz mir aufs Grundstück kommt.
😂
Aber wenn man schon einmal mit mehreren Leuten vor dem Haus steht und der Spielplatz direkt gegenüberliegt …
… dann kann man ja auch mal rüberschauen.
Und genau bei dieser Gelegenheit machte mein Nachbar zwei Angebote.
Nicht:
„Da muss endlich jemand etwas machen!“
Sondern eher:
„Wir würden sogar selbst mithelfen.“
Frau Laterne nickte.
Sie war schließlich dabei.
Also zumindest stand sie da.
Wie immer.
😂
🏖️ Angebot Nummer eins: Sand
Nachdem der Sandkasten schon sehr lange kaum noch Sand enthielt, bot mein Nachbar bei dieser Begehung sinngemäß an:
Eigentlich eine ziemlich unkomplizierte Idee.
Sand fehlt.
Jemand bietet an, Sand zu holen.
Sandkasten wieder voll.
Fertig.
Oder?
😳
Nach Erinnerung meiner Nachbarn wurde erklärt, dass das nicht so einfach gehe.
Für einen öffentlichen Spielplatz brauche man einen bestimmten beziehungsweise geeigneten Sand.
Völlig in Ordnung.
Ich bin Glasfaser und kein Sandgutachter.
😂
Wenn Spielplatzsand bestimmte Anforderungen erfüllen muss, wird das seinen Grund haben.
Nur fragte der Kleine irgendwann vorsichtig:
Ich sah ihn an.
Frau Laterne sah ihn an.
Er wurde ein bisschen nervös.
„War nur eine Frage.“
😂
🚜 Angebot Nummer zwei: Dann mähen wir eben auch
Und weil man schon einmal beim Thema Spielplatz war, kam gleich das nächste Angebot.
Mein Nachbar sagte sinngemäß:
Nicht nur den Spielplatz.
Sondern gleich auch noch:
den Gemeindeweg
und alles, was rundherum eben so vor sich hinwächst.
Der Bauhof müsste im Grunde nur regelmäßig Benzin bereitstellen.
Die Bürger mähen.
Der Bauhof wird entlastet.
Das Gras wird kürzer.
Die Kinder verschwinden nicht mehr im Dschungel.
Alle glücklich. 😂
Ich dachte:
Das klingt verdächtig nach einer Lösung.
Die Antwort war sinngemäß:
„Könnt ihr gerne machen.“
Sehr schön!
Ich war kurz begeistert.
Dann kam Teil zwei:
😳
Ich sah Frau Laterne an.
Der Kleine sah mich an.
Ich fragte:
„Mit dem Auto?“
Frau Laterne:
„Vermutlich.“
Also morgens zum Bauhof.
Rasenmäher ins Auto.
Zurück zum Spielplatz.
Mähen.
Rasenmäher wieder ins Auto.
Zurück zum Bauhof.
Und zwischendrin hoffen, dass Benzin, Grasreste und Erde das Familienauto ebenfalls als Bürgerengagement verstehen.
😂
Der Kleine murmelte:
🌿 Apropos Mähen … da wäre noch eine Kleinigkeit
Frau Laterne räusperte sich schon wieder.
Langsam macht sie mir wirklich Konkurrenz.
Sie sagte:
😳
Der Kleine schaute mich an.
Ich schaute Frau Laterne an.
„Seit wie vielen Jahren?“
Rund 30.
Und wir reden hier nicht von drei Metern Grünstreifen vor der Haustür.
Der Gemeindeweg verläuft neben dem Grundstück meiner Nachbarn und zieht sich ein ganzes Stück bis hinunter zum Bach.
Das ist nicht wenig Fläche.
Und auch nicht wenig Arbeit.
Jahr für Jahr.
Sommer für Sommer.
Seit Jahrzehnten.
Einfach so.
Ohne Rechnung.
Ohne Arbeitsauftrag.
Ohne großes Tamtam.
Bürgerarbeit, könnte man sagen. 😉
Der Kleine wurde nachdenklich.
Dann fragte er:
Frau Laterne überlegte.
Ich überlegte.
Meine Nachbarn übrigens auch.
Und die ehrliche Antwort lautet:
Wir wissen es nicht. 😂
Manchmal haben sie sogar den leisen Verdacht, dass dort vielleicht gar niemand weiß, wer diesen langen Gemeindeweg seit Jahrzehnten regelmäßig mäht.
Der Kleine nickte anerkennend.
„Nicht schlecht für Leute, die offenbar erst noch lernen müssen, wie Bürgerarbeit funktioniert.“
Ich stupste ihn an.
„Vorsicht. Nicht frech werden.“
Er:
„Ich? Niemals.“ 😇
🤔 Und später wurde Bürgerarbeit gelobt
Und genau da musste Frau Laterne noch an etwas denken.
Bei einer späteren Gemeinderatssitzung wurde nämlich viel darüber gesprochen, wie schön es sei, wenn Bürgerinnen und Bürger in anderen Ortsteilen selbst mit anpacken.
Bürgerarbeit.
Eigeninitiative.
Gemeinsam etwas fürs Dorf tun.
Alles richtig.
Alles schön.
Nur dachte Frau Laterne dabei offenbar:
„Ähm … das passiert hier doch eigentlich schon seit Jahrzehnten.“
Also nur fürs Protokoll:
Sand holen und Sandkasten auffüllen – angeboten.
Spielplatz mähen – angeboten.
Parkplätze mähen – angeboten.
Nicht einmal gegen Bezahlung.
Man hätte ihnen das Ganze nur ein kleines bisschen praktikabler machen müssen.
Zum Beispiel:
Benzin dort.
Los geht’s.
Statt:
😂
Ich fragte:
„Und wurde dieses Hilfsangebot in der Sitzung erwähnt?“
Frau Laterne:
„Nicht, dass ich mich erinnere.“
Ich zuckte kurz zusammen.
„Vorsicht mit Erinnerungen. Das ist neuerdings ein sensibles Thema.“ 😂
Der Kleine prustete los.
🛝 Und dann geschah doch noch einiges
Nachdem die Hinweise weiter im Raum standen und das Thema Sicherheit und Zustand des Spielplatzes angesprochen worden war, passierte schließlich einiges.
Nach Wahrnehmung meiner Nachbarin innerhalb relativ kurzer Zeit:
Eine Schaukel wurde repariert.
Kaputte Holzteile wurden ausgetauscht.
Bank und Tisch verschwanden beziehungsweise wurden entfernt.
😳
Ich sah Frau Laterne an.
Frau Laterne sah mich an.
Der Kleine sagte:
Ich schwieg.
Manchmal ist Schweigen wirklich Gold.
😂
🥅 Und offenbar war das noch nicht alles
Frau Laterne räusperte sich.
Schon wieder.
Langsam wird sie richtig gesprächig.
Wir beide schauten zu ihr hoch.
Was blieb uns auch anderes übrig?
Sie hat schließlich die beste Aussicht von uns allen.
Frau Laterne sieht alles. 😂
Und tatsächlich hatte sie beobachtet, wie mehrere Männer auf dem Spielplatz ziemlich geschäftig ein Netz begutachteten.
Nicht nur kurz mal:
„Jo, hängt noch.“
Nein.
Da wurde geschaut.
Gezeigt.
Geprüft.
Nochmal geschaut.
Und ziemlich ernst über dieses Netz nachgedacht.
Der Kleine fragte:
„War das auch kaputt?“
Frau Laterne:
„Das weiß ich nicht.“
Ich:
„Sehr vernünftig. Wir wollen hier schließlich keine Unterstellungen verbreiten.“ 😇
Was genau an dem Netz geprüft wurde, wissen wir also nicht.
Aber interessant ist es schon:
Nachdem meine Nachbarin wegen des Zustands des Spielplatzes immer wieder Hinweise gegeben hatte, wurden inzwischen
eine Schaukel repariert,
Holzteile ausgetauscht,
Sitzgelegenheiten entfernt
und nun wurde offenbar auch noch das Netz genauer unter die Lupe genommen.
Ich sah den Kleinen an.
Der Kleine sah Frau Laterne an.
Und Frau Laterne sagte trocken:
😳
Ich glaube, Frau Laterne entwickelt Humor.
Das macht mir fast ein bisschen Angst. 😂
🧵 Und da war er wieder: der rote Faden
Meine Nachbarin hatte nämlich schon damals versucht zu erklären:
Ihre Praxis ist ein bisschen wie ein Kummerkasten.
Menschen erzählen ihr Dinge.
Was sie stört.
Was nicht funktioniert.
Wo etwas kaputt ist.
Wo sie sich ärgern.
Und wenn sie solche Hinweise weitergibt, dann nicht, um jemanden persönlich anzugreifen.
Sondern weil sie denkt:
Eigentlich könnte man das sogar als Feedback verstehen.
Kostenlos.
Direkt aus dem Ort.
Ohne Umfrage.
Ohne Beraterfirma.
😂
Aber irgendwie entstand bei meiner Nachbarin immer öfter der Eindruck:
Nachfragen → Rechtfertigung.
Auf ein Problem aufmerksam machen → erst einmal prüfen, ob die Aussage überhaupt stimmt.
Und wenn später doch etwas repariert wird …
Entschuldigung?
Fehlanzeige.
Ich fragte Frau Laterne:
„Und hat sich damals jemand bei ihr entschuldigt?“
Sie schüttelte langsam den Lampenkopf.
Der Kleine murmelte:
„Ach.“
Ich:
„Das kommt mir mittlerweile auch irgendwie bekannt vor.“
Vielleicht geht es nämlich gar nicht nur um mich.
Nicht nur um eine Zufahrt.
Nicht nur um einen Nutzungsvertrag.
Vielleicht geht es irgendwann einfach darum, wie oft man etwas ansprechen kann, bevor man sich fragt:
Bin ich hier eigentlich Bürger …
oder störe ich gerade?
Frau Laterne leuchtete kurz heller.
Und sagte:
‘Danke für den Hinweis, wir schauen uns das an’
schon erstaunlich viel.“
Ich war beeindruckt.
Die Frau spricht selten.
Aber wenn, dann sitzt es.
Und damit standen wir wieder da.
Frau Laterne.
Der kleine Stromkasten.
Ich.
Drei stille Beobachter.
Und irgendwo da draußen wartet vielleicht immer noch jemand darauf, dass aus einem Hinweis einfach mal ein:
„Danke. Wir kümmern uns.“
wird.
Fortsetzung folgt …
Euer
❤️ Dachsbacher Kummerkasten

